83 % sind nicht genug. Oder wie man mit Überschriften Politik macht
83 Prozent der befragten E-Auto-Fahrer würden sich erneut für einen Stromer entscheiden. Dieser Satz steht in einem Beitrag von ecomento, einem Online-Magazin, dass sich vor allem mit Elektromobilität auseinandersetzt. Wir mögen diesen Beitrag, weil er sich mit lehrbuchhaft mit genau diesem Thema auseinandersetzt.
15.09.2025
83 Prozent der befragten E-Auto-Fahrer würden sich erneut für einen Stromer entscheiden. Dieser Satz steht in einem Beitrag von ecomento, einem Online-Magazin, dass sich vor allem mit Elektromobilität auseinandersetzt. Wir mögen diesen Beitrag, weil er sich mit lehrbuchhaft mit genau diesem Thema auseinandersetzt.
Er ist durchsetzt mit euphorischen Feststellungen. Ein paar Zitate gefällig. Zitat eins: „Elektroautos setzen sich zunehmend durch als Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und tragen zu einer veränderten Mobilitätslandschaft bei.“ Oder Zitat 2: „Die Studie belegt, dass Elektromobilität längst im privaten und beruflichen Alltag in Deutschland angekommen ist. Die Ergebnisse unserer Studie senden eine klare Botschaft: E-Auto-Fahrer sind überzeugt, wenngleich manche Verbrenner-Fahrer skeptisch bleiben.“
Klingt alles gut. Wir freuen uns.
Auftraggeber ist nicht irgendeine Umweltorganisation, sondern Shell. Es handelt sich um die „Shell Elektromobilitätsstudie 2025“. Sie wird mit reichlich Lob auch aus dem eigenen Hause ausgestattet. Ein bisschen sorgt sich Shell. Das steht dann nicht bei „Ecomento“, sondern nur bei Shell. Aber: Nur 22 % der Verbrenner-Fahrer ziehen ein E-Auto in Betracht. Bevor wir weiter schreiben, betonen wir, dass wir keine E-Auto-Hasser sind. Wirklich nicht. Wir glauben vielmehr, dass der Markteinstieg holperig bis falsch ist. Massenmobilität muss man anders machen, denn das eigentliche Ergebnis ist gar nicht so gut.
83 % klingt auf den ersten Blick gut. Ist es aber nicht. Was bedeutet diese Zahl. Sie ist nämlich keine Erfolgsmeldung, denn sie bedeutet in Wirklichkeit, dass die Elektromobilität mindestens auf der Stelle tritt. Denn das richtige Wachstum fehlt. Und rechnen können Sie selber. Die meisten von Ihnen sind Kaufleute. Sie bedeutet, dass fast jeder fünfte E-Auto-Fahrer kein E-Auto mehr möchte. Und weil Sie Kaufleute sind, rechnen Sie bitte selber aus, wann die jetzt überzeugten E-Auto-Fahrer alle wieder Verbrenner fahren.
Warum wir diese euphorische Pressemeldung entzaubern wollen ist wichtig, denn sie steht in einem speziellen Umfeld. Elektro gleich Erfolg. Dann brauchen wir nicht an das Verbrennerverbot heran. Die Reviewklauseln in den beiden Verordnungen können wir also getrost missachten, denn Elektro ist ja gleich Erfolg. Nein, leider nicht. Und deswegen bleibt der Verkehr beim Klima zurück. Muss er nicht, denn es gibt ja die synthetischen Kraftstoffe. Sie heißen jetzt Refuels.
Der neue Name ist egal. Sie helfen jedenfalls dem Klima. Und in den Tagen rund um die IAA waren die Zeitungen voll mit Nachrichten über eine Revision des Verbrennerverbotes. Zum Beispiel hier: „Ich verspreche das Aus vom Verbrenner-Aus“, sagt Manfred Weber in der Bild-Zeitung. Manfred Weber ist nicht irgendwer. Er ist der Chef der EVP-Fraktion im europäischen Parlament. Und er ergänzt. Das Ziel der Klimaneutralität bleibe bestehen, (…) aber der Weg dorthin müsse offen bleiben.
Dazu können wir in Richtung Manfred Weber, aber auch der vielen anderen nur sagen, macht mal, und lasst den Weg dorthin wirklich offen. Dann klappt das auch. Das mit der Klimaneutralität.
Schöne Woche,
Stephan Zieger