15.06.2025
Damit die kleinen Dinge nicht verloren gehen
Es könnte die zweite Woche sein, in der die Zeilen nicht erscheinen. Große, wirklich große Themen beschäftigen uns. Israel und Iran und jetzt in der Nacht zu Sonntag die USA und der Iran. Die Fähigkeit, Atomwaffen herzustellen und die Welt in Schach zu halten, wird dem Iran nicht zugestanden. Mit Luftschlägen will man das verhindern und hat es hoffentlich verhindert. Das sind die großen Themen und vieles mehr.
Darüber gehen unsere "kleinen" Themen verloren. Leider. Die vielen kleinen erfolgreichen Meldungen. Über E-Fuels. Über HVO oder über andere nachhaltige Kraftstoffe.
In Mannheim wird E20 verkauft. Mit behördlicher Genehmigung. Ein Kundenkreis, der zugelassene oder für diesen Test zugelassene Fahrzeuge nutzt ist auch gefunden. Dies findet seinen Weg in die Öffentlichkeit.Der ADAC berichtet darüberunddrei Abgeordnete aus dem Europaparlamentsetzen sich für die Freigabe von E 20 ein. Das ist schön. Rund 50 % der aktuell zugelassenen Benziner könnten E20 nutzen. Aber 50 % leider auch (noch) nicht. VW könnte rückwirkend alle Fahrzeuge ab Baujahr 2015 zulassen.
Bei Auto, Motor und Sport schreibt man zu der Idee folgendes:E20 könnte helfen, Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor klimafreundlicher zu betreiben – und gleichzeitig CO₂-Kosten für Verbraucher dämpfen. Ob der neue Kraftstoff tatsächlich kommt, hängt von EU-Gesetzgebung, Herstellerfreigaben und Verbraucherakzeptanz ab. Die Forderung nach einer Einführung vor 2028 steht im Raum – entschieden ist aber noch nichts.
E 20 würde sicherlich nicht das Schicksal von E 10 beim ersten Anlauf erleiden. Aber, 2028 ist sehr ehrgeizig. Zu groß sind die vielen bürokratischen Anforderungen an eine Freigabe. Geht vielleicht auch schneller. Wenn man will. Aber politisch ist man erst am Anfang. Wir wären gerne und auch konstruktiv optimistisch. Wir hätten da eine Idee, mit der man einen Teil der Klimaeffekte schon jetzt heben kann. E 10! Und die Abschaffung von E 5. Das ist ohne Probleme möglich. Und der Klimaeffekt tritt sofort ein. Und zusätzlich wäre freier Tankraum für HVO vorhanden. Auch dadurch wäre ein weiterer Klimaeffekt möglich.
Und damit kommen wir zu den anderen kleinen positiven Nachrichten. Wir dürfen die E-Fuels nicht vergessen. Die sind auch noch da. Und sie sind wichtig für den großen Klimaeffekt. Für Kraftstoffe auf synthetischer Basis brauchen wir keine Normen zu verändern. Bestandsflotte und neue Fahrzeuge vertragen E-Fuels und sie könnten so hergestellt werden, dass sie der Norm entsprechen.
Und wirklich, die E-Fuels sind in diesen Wochen wieder mehrere kleine Schritte vorangekommen.IneratecundClassicsind die beiden Namen, die wir gerne anführen.
Ineratec hat am Frankfurter Flughafen eine Anlage zur Herstellung von E-Fuels in Betrieb genommen.Dort sollen bis zu 2.500 Tonnen E-Fuels pro Jahr hergestellt werden und dafür jährlich bis zu 8.000 Tonnen CO2 recycelt werden. Zunächst soll der synthetische Kraftstoff von INERATEC vor allem Flugzeuge und Schiffe bewegen. Auch an Schwerlasttransporter ist gedacht.
Das Unternehmen hat gut 40 Millionen Euro in die Anlage namens ERA ONE investiert. Wir kennen INERATEC als Ausgründung aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Der Frankfurter Flughafen benötigt pro Tag 15.000 Tonnen. Von daher ist die Menge im Moment eher gering. Aber, so die Verantwortlichen von Interatec, kann die Anlage kann in jedem gewünschten Maßstab hochskaliert werden. Sie ist serienreif. Sie soll nicht nur E-Fuels produzieren, sondern als Vorbild dienen und ein Beispiel für das Potenzial der Technologie. Dank ihres modularen Aufbaus kann die Anlage leicht erweitert und weltweit eingesetzt werden. Sie kann synthetisches Kerosin, Benzin, Diesel, Wachs, Methanol oder Erdgas herstellen.
Und jetzt kommt Classic. Auch ein wichtiger Schritt. In Anwesenheit von Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) zapfte man die ersten Liter „KlimaBenzin95“ an der Tankstelle Classic in Weyhe.„KlimaBenzin95“ ist ein ganz besonderer Stoff. Ein echtes E-Fuel.
Aktuell kommt er aus einer Versuchsanlage der sächsischen TU Bergakademie Freiberg.Ab Ende 2027 soll der Kraftstoff in einer eigens dafür errichteten Anlage in Steyerberg (Landkreis Nienburg) im industriellen Maßstab produziert werden. „KlimaBenzin95“ kann ohne Anpassung in herkömmlichen Benzinmotoren genutzt werden, ist drop-in-fähig und vollständig kompatibel mit bestehender Infrastruktur.
Also, drei Dinge aus den heutigen Zeilen, die uns Hoffnung machen. Auch der Klimaschutz geht weiter. Und er geht weiter mit klugen und durchdachten Lösungen. Und diese Lösungen funktionieren. Denn Klimaschutz nur mit E-Autos funktioniert nicht. Dafür ist der Strom viel zu wichtig.
Und die Botschaft der Biokraftstoffe. E20 ist gut, taugt aber nur im Verein mit den E-Fuels. Es darf kein Koppelgeschäft geben nach dem Motto, macht mal mit E 20 weiter und das Thema E-Fuels fällt hinten runter. Wir sind gerade in einer kritischen Zeit. Das Verbrennerverbot in der aktuellen Form wird überdacht werden (müssen!). Dafür gibt es die Review-Klauseln.
Die Review-Klauseln sollten weiterhin ernst genommen werden. Politik macht in diesen Tagen gerne Geschäfte. Bitte nicht hier. Denn, wir brauchen alles. Biokraftstoffe, synthetische Kraftstoffe und auch die E-Mobilität. Every little helps. Jede Biene sticht.
Eine schöne Woche, sie wird hart genug werden.
Stephan Zieger