11.08.2025

Das Verbrennerverbot als "Streit um des Kaisers Bart" und ein (Geheim-) Rezept, wie man die gesellschaftliche Akzeptanz der Elektromobilität steigern kann.

bft-Geschäftsführer Zieger
Foto: S. Kühnapfel

Es gibt wieder eine Studie zum Thema Elektromobilität. Die Berliner Morgenpost verfügt exklusiv über die Inhalte. Es ist nicht die Automobilindustrie, die Schuld daran ist, dass die E-Mobilität nicht voran kommt. Es ist auch nicht der Verbraucher. Letzterer ja sogar ein Opfer. Die Elektromobilität stößt nämlich nicht auf gesellschaftliche Akzeptanz. Wegen der mangelnden Alltagserfahrung. Ja! Zitat aus dem Beitrag der Morgenpost: „Fehlende Alltagserfahrung hemmt die Kaufbereitschaft, so die Studie, die sich dabei auf Zahlen des Versicherers HUK-Coburg bezieht, wonach 70 Prozent der Deutschen noch nie ein reines Elektroauto gefahren sind.“

Die Studie des Center Automotive Research (CAR) im Auftrag der European Climate Foundation (ECF), die der Redaktion der Morgenpost exklusiv vorliegt, bescheinigt den Deutschen eine „mangelnde gesellschaftliche Unterstützung“ mit Blick auf die Elektromobilität. Die Deutschen sind es, die Schuld daran sind, dass die E-Mobiliät nicht vorankommt. Richtige Schlimmfinger, diese Deutschen. Wir hätten es wissen können. Nach den Slowaken oder Belgiern wurde nicht gefragt. Nach anderen auch nicht. Wir sehen es nach. Es ging ja schließlich um den deutschen Automobilmarkt und nicht um den europäischen oder sonst einen anderen Markt.

Dabei, so die Studienersteller, ist es so einfach, gesellschaftliche Akzeptanz zu erzeugen. Man muß sie nur fördern. Zitat aus der Morgenpost: „Kaufentscheidungen bei E-Autos hängen in Deutschland weniger von Technologie oder Klimabewusstsein ab, sondern maßgeblich von Förderpolitik,“ so die Autoren. Bedeutet: Gibt der Staat Geld, wächst der Absatz – ansonsten eher nicht.

Außerdem muss man den Verbrauchern noch ein bisschen positives Gefühl geben. Man muss die Erfahrungslücke schließen. Und das ist ganz einfach. „Die sogenannten Erfahrungslücke mache Angebote wie Probefahrten, Carsharing oder E-Dienstwagen strategisch wichtig.“ Die Industrie müsse nur noch „günstige und ansprechende Modelle nach europäischem Geschmack in den Markt zu bringen“.

Egal wie, „Produkte der Hersteller alleine genügten nicht, um insbesondere Privat-Kunden zu überzeugen.“ Ohne Geld geht also gar nichts. Gezielte Förderung, soziale Aspekte, da ginge was. Am Ende immer wieder eine Frage des Geldes. Aber es muss vom Staat kommen. Sonst bringt es nichts. Und wenn das mit dem Geld geregelt ist, dann als Empfehlung der Experten zum Schluss. Das CAR empfiehlt einen „sichtbaren Ausbau“ der Ladepunkte und auch „angepasste Ladetarife“. Elektrofahrzeuge aufzuladen, sollte nicht teurer sein als das herkömmliche Tanken von Verbrennern. Zudem sei eine gesetzlich vorgeschriebene Transparenz bei Tarifen und Abrechnungen essenziell, um das Vertrauen der Verbraucher zu stärken.

Das alles geht sogar Ferdinand Dudenhöffer zu weit. So hat man das Gefühl, wenn man seine Veröffentlichung sieht. ER sieht den unaufhaltsamen Erfolg der Elektromobilität. Die Schwere zwischen E-Fahrzeugen und Verbrennern wird kleiner. Und deswegen ist die Elektromobiliät nicht mehr aufzuhalten. Die Differenz beträgt im günstigsten Fall nur noch 2862 Euro. Dudenhöffer weiß schon, die von ihm errechnete Differenz immer noch höher liegt als das durchschnittliche Nettomonatseinkommen in Deutschland. Das liegt nämlich bei 2.700 Euro. Ob das für den Optimismus des Professors ausreichend ist, wollen wir nicht hinterfragen. Das machen bitte Sie.

Dudenhöffer macht in dem Beitrag im Stern eine bemerkenswerte Aussage. Der Stern schreibt, "die Preisentwicklung" sei ein entscheidender Faktor", betonte Dudenhöffer - "nicht die zusätzliche Ladesäule irgendwo auf einem Autobahn-Rastplatz". Der Autoexperte kritisierte die "nicht aufhörende Diskussion" um das Verbrennerverbot für Neuwagen ab 2035 in Deutschland. Das sei angesichts der Entwicklung eine Diskussion "um des Kaisers Bart", also um eine Nebensache."

Wir greifen das mal auf und interpretieren das. Weil sich die Preise jetzt marktwirtschaftlich entwickeln, ist Förderung willkommen, aber nicht unbedingt notwendig. Punkt 1. Und wirklich wichtig ist das Verbrennerverbot („Streit um des Kaisers Bart“) nicht mehr. Dann kann man es auch lassen. Keine von den schlechtesten Erkenntnissen.

Und zurück zu den Experten von CAR aus der Morgenpost. Nimmt man deren Argumente und setzt sie auf die synthetischen Kraftstoffe um, ist gesellschaftliche Akzeptanz in jedem Fall vorhanden. Alltagserfahrung mit Verbrennern auch. Und die ein oder andere Säule wäre auch schon da. Statt Förderung bräuchte es daher hauptsächlich ein verlässliches regulatorisches Umfeld. Das wäre ein starkes staatliches Signal. Wir würden nicht lange diskutieren, wenn das das Ergebnis wäre. Vielleicht nimmt CAR diesen Hinweis auf. Dann hätten wir zwei Wege auf dem Weg der Klimaneutralität. Und die European Climate Foundation hätten wir mit an Bord. Die Argumente haben sie schließlich mit finanziert. Das Zusatzschlagwort hieße „Technologieoffenheit“.

Eine schöne Woche

Stephan Zieger