06.07.2025
Der Suzuki Swift ist für 10 Tage nicht produziert worden. Und wieso das für E-Fuels spricht
Unsere Zeilen führen uns heute in den Bereich der Rohstoffe. Auslöser war ein umfangreicher Beitrag aus der gedruckten FAZ vom Samstag, in dem berichtet wurde, wie sich Japan versucht aus der Umklammerung Chinas in Bezug auf Rohstoffe, speziell seltene Erden zu befreien. Unter dem Titel „Wie Japan den China – Schock überwand“ analysiert die FAZ, wie Japan es schaffte, seine Abhängigkeit von Seltenen Erden auf heute lediglich 60 % zu reduzieren. Für diesen Weg hat Japan fast 15 Jahre gebraucht.Und genau in diesem Artikel war gegen Ende folgender Satz zu lesen: „Dass die Abhängigkeit von China auch beider heute erreichten Importquote von 60 % immer noch zu hoch ist, zeigt das Beispiel Suzuki Motor. Der viertgrößte japanische Autohersteller stoppte Anfang Juni die Produktion seines Kleinwagens Swift, weil ihm nach lokalen Medienberichten die seltenen Erden ausgegangen waren.“ Ende des Zitats.
Und tatsächlich berichtet darüber nicht nur die FAZ, sondern schon früher der österreichische Standard über das Thema. „Der japanische Autobauer Suzuki hat Insidern zufolge die Produktion seines Erfolgsmodells Swift wegen des Mangels an Seltenen Erden infolge Chinas Lieferbeschränkungen eingestellt. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt. Ein Suzuki-Sprecher lehnte einen Kommentar zum Grund des Produktionsstopps ab, über den zuerst die Wirtschaftszeitung Nikkei berichtet hatte.“ Der Produktionstop dauerte vom 26. Mai bis zum 06. Juni.
Und von dort aus führt der Weg wieder zurück zur FAZ. Die hatte nämlich am Freitag unter dem Titel „Chinas starker Arm“ berichtet, dass in Deutschland eine zu starke Abhängigkeit von Chinas seltenen Erden besteht. „Deutschland wollte weniger abhängig von China werden. Jetzt zeigt sich: Eine Abteilung des Pekinger Handelsministeriums bestimmt, wann die Bänder stillstehen. Und Europa hat kaum Möglichkeiten, sich aus der chinesischen Umklammerung zu befreien.“ Leider stehen beide Artikel hinter einer Bezahlschranke. Aber es gibt auch vom Freitag eine Kurzversion aus dem Hause dpa. Unter dem Titel „Seltene Erden: Industrie warnt vor Abhängigkeit von China“ wir dort unter anderem berichtet, „China verknappe die Ausfuhr seltener Erden so weit, dass es anderen Ländern schwerfalle, strategische Reserven aufzubauen. Zugleich sei Peking jedoch jederzeit in der Lage, die Weltmärkte wieder mit Rohstoffen zu fluten, um die Preise auf Talfahrt zu schicken.“
Damit sitzen diejenigen, die abhängig sind, und dass sind viele, in der Zwickmühle. Nicht nur, dass man bangen muss, dass ein Antrag im chinesischen Handelsministerium auf Ablehnung stößt ist schlimm. Fatal ist, dass das Land den Markt auch fluten kann. Und damit zurück zum Beitrag zu beiden Beiträgen aus der FAZ. Wollte Japan die von ihm gefundenen Tiefseeaufkommen abbauen, stünden nicht nur der Zeitfaktor im Weg. Zitat noch einmal: „Das dürfte sich erst rechnen, wenn die Preise für seltene Erden wirklich einmal in den Himmel schießen.“ Aber auch das hat China in der Hand. In beiden Richtungen. Und in der FAZ vom Freitag berichtet man über ein Vorkommen in Norwegen. „Würde man die Vorkommen, (…), die es in Norwegen gibt, fördern wollen, braucht das fünf Jahre. Sofern die Behörden mitmachen.“
Und damit kommen wir zum Kern der Beiträge. Es geht nicht um den Suzuki Swift. Es geht um Seltene Erden. Wofür man die braucht. Für Elektromotoren. Natürlich nicht nur. Aber für alles das. In einem Beitrag auf „ARD-Alpha“ wird das so beschrieben. „Smartphones, Notebooks, LED-Leuchten, Elektromotoren - solche und noch viele weitere Produkte würden ohne Seltene Erden nicht funktionieren. Zwar werden die wertvollen Rohstoffe jeweils nur in sehr kleinen Mengen eingesetzt, ähnlich etwa wie kostbare Gewürze spielen auch die Seltenen Erden eine entscheidende Rolle.“
Worum es also geht, ist die Energiewende. Die Klimawende. Die EU pant, dass die Abhängigkeit bis zum Jahre 2030 nicht größer als 65 % bei einzelnen Rohstoffen sein darf. Japan ist schon weiter. Aber ein kleines Auto wie der Swift wir einfach für ein paar Tage nicht produziert. Und das nicht, weil ihn keiner will.
Womit wir bei meinem Lieblingsthema im Rahmen der Klima- und Energiewende sind. Den synthetischen Kraftstoffen. Und fragen Sie sich bitte, was angesichts dieser Berichte gegen Technologieoffenheit spricht. Und fragen Sie sich bitte auch, welche Rohstoffe benötigt werden. Ohne Ihren Überlegungen vorgreifen zu wollen. Es spricht einiges dafür, auch E-Fuels zuzulassen.
Einen schönen Montag und eine spannende Woche noch
Stephan Zieger