Die Debatte um das Verbrennerverbot, das ja eigentlich nur ein Neuzulassungsverbot ist und warum diese Debatte noch nicht beendet werden muss
„Es muss endlich Schluss sein mit der Debatte um das Verbrennerverbot“ war vor drei Wochen und jetzt wieder in der Wirtschaftswoche zu lesen.
06.10.2025
„Es muss endlich Schluss sein mit der Debatte um das Verbrennerverbot“ war vor drei Wochen und jetzt wieder in der Wirtschaftswoche zu lesen.
Der das sagte ist der Ministerpräsident von Niedersachsen. Zitat aus dem Bericht: Wir führen eine unglaubliche Debatte«, sagte der SPD-Politiker im ARD-»Bericht aus Berlin« am Sonntagabend, »dabei sind wir uns doch völlig klar darüber: Zukunft wird die Elektromobilität sein.« Ja da sind wir uns doch klar darüber. Und wir wissen, dass das Wort „Verbrennerverbot“ ein ganz falsches ist. Verboten sind nicht die Verbrenner, sondern die Neuzulassungen. Klingt gut, Neuzulassungsverbot. Vielleicht nimmt es ja jemand mit in die Debatte.
Zur Ehrenrettung von Ministerpräsident Lies müssen wir sagen, dass er das Neuzulassungsverbot nicht auf alle Arten von Verbrennern bezieht. In seinem »Zukunftspakt Mobilität 2035 sieht er vor, dass Autos mit synthetischen und biogenen Kraftstoffen auch über 2035 hinaus neu zugelassen werden dürfen. Diese Kraftstoffe sollten dem üblichen Treibstoff zunehmend beigemischt werden. Aber Nichtsdestotrotz, sein Fazit: »Wir dürfen E-Mobilität nicht immer infrage stellen.«
Wir finden ähnliche Diskussionen bei den Grünen oder bei Vertretern von sogenannten Nichtregierungsorganisationen. Ein besonders prominenter ist mein Lieblingsprofessor. Ferdinand Dudenhöffer. ER ruft immer wieder nach dem Ende der Debatte. Zu Verunsicherung, Hoffnung auf eine Änderung der Politik oder ähnliches führe die öffentliche Diskussion. Deswegen müssen sie aufhören. „Viele Menschen haben gedacht, das ist die Zukunft. Und heute hören sie von vielen Politikern aus Brüssel, aus Deutschland, dass der Verbrennungsmotor ein optimales System ist und dass es Synfuels gibt“, erklärt er. Diese Unsicherheit führe dazu, dass potenzielle Käufer zögern, ein Elektroauto zu erwerben.
Gemeinsam ist all diesen Protagonisten, dass es immer nur um die eine bestimmte Antriebsform geht. Das aber ist falsch. Gemeinsames Thema muss das Klima sein und nur das Klima. Und das kann man auch mit den Synthetischen lösen. Genauso gut und genauso effektiv. Man muss nur bereit sein, das zu akzeptieren. Auch die Zwangshäufigkeiten die sich aus der schieren Anzahl an Verbrennern eben ergeben. Wie zum Beispiel dass die Verbraucher einfach nicht genügend Geld für die Erneuerung der Flotte haben. Die meisten müssen neben dem Auto, dass sie unterhalten, noch eine Familie ernähren. Sei es in der Kinder- oder leider immer mehr in der Elterngeneration. Und preiswerte Stromer gibt es halt noch immer nicht.
Aber zurück zur Debatte. Kluge Köpfe in diskussionsfreudigen Organisationen legen wichtige Debatten gerne kurz vor die Mittagspause. Je mehr es nach Essen duftet, desto stärker werden die Rufe nach Ende der Debatte. Bis dann einer, sei es gezielt oder entnervt das Ende der Debatte beantragt. Weil eben die Debatte stört. Am Weg zum Mittagessen. Aber in Wirklichkeit um Gegenargumente aus der Diskussion zu ziehen.
Nun werden Sie sagen, irgendwann muss doch mal Schluss sein. Das ist richtig. Aber in der aktuellen Diskussion sind diejenigen, die nach dem Ende der Debatte rufen diejenigen, die keine Synthetischen wollen. Ein echter Austausch findet ja gar nicht statt. Das wiederum ist kein Kennzeichen einer echten Diskussion. Von daher ist noch gar keine Zeit für das Ende der Debatte. Dafür muss man den Synthetischen erst die Chance geben, zu zeigen ob und was sie können.
Damit könnte für heute Schluss sein. Was noch zu sagen wäre? Vielleicht, dass in Bild-Online die Frage nach ausreichender Energie für die neuen Rechenzentren für die KI gestellt wird. Das hatten wir vor einiger Zeit schon mal. Jetzt ist es eine Schlagzeile in Bild. Und zuallererst hatten es die klugen Köpfe aus der FAZ. Und zwar im Feuilleton.
Was sonst noch zu sagen wäre. Ich bin Ende September in den Ruhestand gegangen. Nach 35 Jahren Zugehörigkeit zum bft. Damit enden auch die Zeilen. Es hat mir Spaß gemacht, für Sie zu schreiben und zu wissen, dass Sie es auch lesen. Ich hoffe, dass die Synthetischen vorankommen. Es wird Zeit.
Und wenn Sie sich an Herrn Schroeder aus meinem Beitrag in der 44. KW/ 2001 noch erinnern. Er ist immer noch unterwegs. Heute mit der Botschaft, dass die Debatte endlich aufhören muss.
Eine gute Zeit
Stephan Zieger