13.07.2025
Fakten statt Klicks
„Die Diskussion um eine mögliche Rücknahme des Verbrennerverbots ab 2035 ist aus unserer Sicht nicht nur politisch fragwürdig, sondern auch volkswirtschaftlich kontraproduktiv. Unsere Daten zeigen vielmehr deutlich: Das Interesse an E‑Autos nimmt rasant zu (...).". Wer das sagt. Carwow-Chef Philipp Sayler von Amende. Wenn Sie Carwow noch nicht kennen. Carwow ist eine Online-Plattform für den Kauf eines neuen Autos oder den Verkauf Ihres alten Autos! Auf Carwow bekommen Sie großartige Angebote von Tausenden von geprüften Händlern und Herstellern, damit Sie Ihr Auto mit nur wenigen Klicks kaufen oder verkaufen können. So die Selbstbeschreibung von Carwow.
Woran Carwow das gestiegene Interesse ausmacht. An den Suchanfragen. Bei den Suchanfragen nach reinen E-Fahrzeugen gab es bei Carwow im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 14 Prozent im Zeitraum Januar bis Mai 2025. Das Interesse an Benzinern ist bei Carwow hingegen um 11 Prozent gesunken.
Es gibt aber auch andere Stimmen. Zum Beispiel diese: „Das derzeitige System ist ein Desaster. Es zerstört nicht nur die Industrie, sondern es zerstört auch die Möglichkeit, innovativ zu sein.“ Wer das sagt und was er meint ist Oliver Zipse. BMW-Chef. Und wir machen es uns ganz einfach mit dem was er meint. Man muss ihn nämlich nicht interpretieren.
Das System ist die Regulatorik mit dem für Autobauer zentralem Verbrennerverbot ab 2035. Jetzt wieder der BMW-Chef. Er kritisiert, dass die aktuellen Regularien nur auf die Emissionen am Auspuff eines Fahrzeugs abzielen. Er hält es für sinnvoller, den kompletten Lebenszyklus zu betrachten, also auch, wie viele CO₂-Emissionen die Autohersteller zum Beispiel bei der Produktion oder durch Recycling einsparen. Auch mögliche CO₂-Einsparungen durch Biokraftstoffe wie HVO100 oder synthetischen Sprit sollten stärker berücksichtigt werden.
Was er auch unter Beweis stellt, ist Technologieneutralität. BMW betont seit längerem, dass das Unternehmen ...) auch Wasserstoff oder CO2-neutrale Kraftstoffe nutzen wolle. Als einer der wenigen Autobauer weltweit setzt BMW unter anderem auf Wasserstoffautos und will ein derartiges Fahrzeug 2028 auf den Markt bringen. Und trotzdem will das Unternehmen bis 2050 CO²-neutral sein.
Auch der Autoverband VDA forderte zuletzt, das strikte Verbrennerverbot aufzuweichen und unter anderem eine Möglichkeit zu schaffen, dass Hybridfahrzeuge mit großer elektrischer Reichweite auch nach 2035 noch zugelassen werden können.
Der Verband des KFZ-Handwerks, der ZDK, hat sich auch positioniert. In einem neuen Positionspapier zum Thema „Elektromobilität“. Unter dem Titel "Elektromobilität für Alle - Impulse des ZDK für alltagstaugliche E-Mobilität in Deutschland“ zeigt der ZDK auf, wohin aus seiner Sicht die Elektromobilität gehen muss. Das dient auch dem Überleben der Betriebe des KFZ-Handwerks.
Die Position der Technologieoffenheit hat der ZDK jedoch nicht aufgegeben. Zitat aus einem Positionspapier aus dem Mai 2025: „Wir brauchen keine ideologischen Auseinandersetzungen, sondern eine pragmatische, technologieoffene Regulierung, die Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und soziale Akzeptanz miteinander vereint“, betont Joswig. „Politik und Wirtschaft stehen gemeinsam in der Verantwortung, den Umbau des gesamten Verkehrssektors realistisch und wirksam zu gestalten. Technologieoffenheit ist kein Schlagwort, sondern die Voraussetzung für eine nachhaltige Transformation.“
Zurück noch einmal zu Carwow. Dort sagt man, selbst ohne Dogmatik und Verordnung treibe der Markt den Wandel voran, befördert aber entscheidend durch stabile Rahmenbedingungen. Diese Annahme ist aber falsch. Es gibt ein zentrales Momentum auf dem Markt. Das alternativlose Verbrennerverbot. In diese Wunde hat der BMW-Chef erneut und klar den Finger gelegt.
Und noch eines betont. 2050 ist BMW klimaneutral. Und sie schaffen das mit Klimaneutralität. Weil sie dann alle verfübaren Instrumente nutzen können. Und noch eines. Laut BMW-Chef Zipse will man damit nicht nur technologieneutral agieren, sondern sich auch in den Lieferketten weniger abhängig von anderen Ländern machen. Anders als bei Elektroautos sei die Abhängigkeit von Rohstoffen, etwa aus China, bei Brennstoffzellenfahrzeugen viel geringer.
Deswegen. Bei der Abwägung der Positionen von Carwow und Oliver Zipse. Ich würde Fakten vor Klicks bevorzugen. Das hilft. Vor allem dem Klima.
Einen schönen Restsonntag
Stephan Zieger