Realitätscheck für Vorurteile oder wie man Stimmung macht
Nichts Neues im Westen, nur eine Studie, aber nicht die Inhalte. So könnte man die neuesten Meldungen aus dem Hause CAR aus Duisburg bezeichnen. Der Stern berichtet. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Center Automotive Research (CAR) für die Initiative Klimaneutrales Deutschland sind E-Fuels für Pkw …) "volkswirtschaftlich betrachtet unvernünftig". Sie würden Kosten in die Höhe treiben, ihre Energieefizienz sei gering.
22.09.2025
Nichts Neues im Westen, nur eine Studie, aber nicht die Inhalte. So könnte man die neuesten Meldungen aus dem Hause CAR aus Duisburg bezeichnen. Der Stern berichtet. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Center Automotive Research (CAR) für die Initiative Klimaneutrales Deutschland sind E-Fuels für Pkw …) "volkswirtschaftlich betrachtet unvernünftig". Sie würden Kosten in die Höhe treiben, ihre Energieefizienz sei gering.
Das kennen wir doch schon. Warum um alles in der Welt eine neue Studie. Zumal das CAR-Institut von unserem Lieblingsprofessor gegründet wurde. Professor Dudenhöffer. Er ist längst weitergewandert. Er hat sein eigenes Institut. Und er hat mit dieser Studie nichts zu tun. Aber das gehört hier nicht hin.
Zurück zum Institut. Es findet heraus, dass E-Fuels wirtschaftlich betrachtet unvernünftig sind und ineffizient sind. Sie hantieren mit großen Zahlen und Kosten. Die Wissenschaftler arbeiten mit drei Annahmen. Erläutert werden die Szenenarien bei „elektroauto-news“.
Die erste (Szenario A) ist, dass 47 Millionen PKW E-Fuels brauchen. Für die Herstellung wären 640 bis 1080 TWh Strom nötig und damit mehr als die gesamte Bruttostromerzeugung 2024 (etwa 501 TWh). Ergebnis: Der sehr hoher Energieeinsatz verursacht hohe volkswirtschaftliche Kosten.
Günstiger wird es bei einem Bestand von nur noch 15 Millionen PKW (Szenario B). Die Annahme der Wissenschaftler sind 15 Millionen Verbrenner-PKW im Jahre 2045. Bei einem Preis von 1,75 Euro/ Liter würde die Versorgung dieser Fahrzeuge mit E-Fuels so hoch liegen wie die gesamten Kosten für die Kraftstoffversorgung der mehr als dreimal größeren PKW-Flotte jetzt im Jahr 2025.
Im dritten Szenario werden nur die Oldtimer versorgt. werden rund 1,3 Millionen Pkw mit 0,62 bis 1,17 Milliarden Liter pro Jahr unterstellt. Bei 2,00 Euro pro Liter entstehen 1,24 bis 2,34 Milliarden Euro Kosten pro Jahr. Makroökonomisch, so die Autoren der Studie sei das beherrschbar; eine gezielte Nischenverwendung ist denkbar.
Als Grund für die hohen Kosten gibt das Institut die Ineffizienz der E-Fuels an. Hohe Umwandlungsverluste und niedriger Wirkungsgrad. Diese Argumenten sind nicht neu und werden auch nicht noch einmal hinterfragt. Obwohl man es eigentlich besser wissen müsste. Anstatt sich mit der möglichen Optimierung der Kosten einzusetzen, stellt man die gesamte Infrastruktur in Frage. Zitat der Auftraggeber der Studie, nämlich der Initiative Klimaneutrales Deutschland: „Die Studie ist ein Realitätscheck für E-Fuels und zeigt sehr eindrücklich, welche Kosten und Abhängigkeiten der Einsatz von E-Fuels mit sich bringt. Die zu tragenden Kosten sind enorm hoch und das Geld, das Verbraucher an der Tankstelle in die Hand nehmen müssten, wäre im Konsum anderer Güter besser aufgehoben.
Die Auftraggeber setzen noch eines oben drauf. Länder in den E-Fuels hergestellt werden können sind weit weg und verfügen über keine Infrastruktur. Außerdem geht es um die geopolitische Dimension des Imports von synthetischen Kraftstoffen hin. E-Fuels würden die Abhängigkeit Deutschlands von Kraftstoffimporten verschärfen und Fragen nach Versorgungssicherheit aufwerfen.
Aber bevor Sie jetzt etwas Falsches denken. Wir bleiben bei der Studie. Der letzte Gedanke im Bericht ist folgender: „Elektromobilität …) senkt den Bedarf an Importen von Brennstoffen. Angesichts der Erfahrungen während der Energiekrise sowie der aktuellen geopolitischen Unsicherheiten sollte dieser Aspekt neben der ökonomischen Perspektive zunehmend an Bedeutung gewinnen, so die IKND abschließend.“
Das Argument ist zugegebenermaßen neu. Jedenfalls bei den E-Fuels. Bei Lithium und Kobalt und seltenen Erden haben wir diese Argumente schon einmal gehört. Aber nicht wegen der E-Fuels.
Ich werde jetzt nicht polemisch. Klimaneutralität funktioniert nur mit Technologieoffenheit. E-Mobilität und Verbrennermobilität müssen den Weg gemeinsam gehen. Nicht gegeneinander, sondern miteinander.
Schöne Woche
Stephan Zieger