Über die gesundheitsfördernde Wirkung eines Stromers

Haben Sie das schon mal beobachtet. Junge Erwachsene voller Angst. Keine Sorge, wir reden nicht über Kriegsgebiete. Wir reden über Tankstellen. Die Tankangst greift um sich. In England und auch im Südwesten der Republik.

08.09.2025


Haben Sie das schon mal beobachtet. Junge Erwachsene voller Angst. Keine Sorge, wir reden nicht über Kriegsgebiete. Wir reden über Tankstellen. Die Tankangst greift um sich. In England und auch im Südwesten der Republik.

62 Prozent der 18- bis 24-Jährigen sind danach von sogenannter "Refuel Anxiety"– also der teils panischen Angst beim Tanken – betroffen. Bei allen anderen Altersgruppen lag dieser Anteil mit 39 Prozent deutlich niedriger. Wie sich Tank-Angst äußert hat eine Influencerin aus Bielefeld in einem Instagram-Post deutlich gemacht. Zu allem Überfluss ist die junge Dame auch noch eine Fahrlehrerin.

Auf SWR-Online wird ergründet, warum Tank-Angst entsteht. Die Redaktion findet eine ganze Reihe von Ursachen, die von Unsicherheit, etwas falsch zu machen, bis hin zu Erfahrungen anderer beim Tanken reichen. Horrorstories finden gerne Verbreitung. Und nach dem Beitrag auf SWR-Online ist Ursache auch der Stress beim Blick auf den Benzinpreis. Andere empfinden das Tankfeld als Bühne, auf der sie von allen beobachtet werden. Und das mögen sie nicht. Warum sie stattdessen die Bühne als Influencer suchen, verstehen wir wiederum nicht.

Der Südwestrundfunk empfiehlt den Betroffenen sich vorzubereiten, mehr zu üben und vor allem Hilfe vom Personal zu holen. Das dann ganz besonders in ruhigen Zeiten. Also ein Grund, Ihrem Personal von der Tank-Angst zu erzählen und nahezulegen, diese angst ernst zu nehmen. Zu diesem Thema zitiert der Kurier aus Österreich eine Studie aus den USA. Dort zeigt ein Wissenschaftler namens Dr. Federico Vaca (University of California, Irvine), dass 40 Prozent der Jugendlichen den Führerschein um ein bis zwei Jahre verschoben haben, 30 Prozent sogar länger. Die Fachleute machen vor allem die psychische Gesundheit verantwortlich: Ängste, depressive Verstimmungen und die Furcht vor Verantwortung bremsen die Bereitschaft, den Führerschein zu erwerben.

Zurück zur Tank-Angst. Jugendliche sollen schon auf der Straße mit ihrem Fahrzeug liegengeblieben sein, weil sie Angst vor dem Tanken hatten. Der geneigte Leser wird sich fragen, ob man das Tanken heute in der Fahrschule nicht mehr lernt. Dem ist aber nicht so. Man lernt auch das Tanken in der Fahrschule. Vielleicht, so kommt einem in den Sinn, ist die 10. BImSchV mit ihren Auszeichnungspflichten ja gar nicht so schlecht gewesen. Wir haben jedenfalls mehr als drei Jahre über die Auszeichnungsregeln gebrütet. Jetzt, so mag man denken, hilft es gegen die Tank-Angst. Das verleiht im Nachhinein ein gutes Gefühl, den armen Betroffenen geholfen zu haben. Jedenfalls denen, die mit dem Gefühl kämpfen, etwas falsch zu machen zu tun hat. Aber es gab ja auch andere Ursachen.

Einen normalen Beitrag würde man hier kopfschüttelnd beenden. Wer aber die englische Presse studiert, dem fällt ein Beitrag einer englischen Umweltorganisation in die Finger. Dort überlegt man, ob Elektroautos nicht ein geeigneter Beitrag gegen die Tank-Angst sind. Ein teurer Beitrag allemal. Der Online-Dienst „Greenhouse“ ist sich da ganz sicher. Stromer sind ein Beitrag zu Vertrauen und Sicherheit für die Betroffenen. Zitat: „Zuhause laden: Eine private und vorhersehbare Routine. Mit Elektrofahrzeugen verlagert sich das Tanken von öffentlichen Stationen in private Garagen oder Auffahrten. Fahrer können einfach über Nacht anschließen, ohne sich um Hygiene sorgen zu müssen und ohne sozialen Unbehagen mit einer alltäglichen Aufgabe zu verbinden.“

Das klingt so gut, dass man es der Branche fast verzeiht, dass es noch keine wirklich preiswerten Stromer gibt. Aber weiter. „Zuverlässige Netzwerke helfen. Wiederum Zitat: Das Laden zu Hause beseitigt den sozialen Druck und potenzielle Peinlichkeiten, die mit öffentlichen Stationen verbunden sind. · E-Auto-Nutzer gewöhnen sich oft schnell daran, da technische Verbesserungen und Vertrautheit frühzeitige Bedenken mildern.“ Und als ob wir es geahnt hätten: „Junge Erwachsene scheinen geneigt zu sein, Mobilitätsformen zu wählen, die die Privatsphäre respektieren und den öffentlichen Leistungsdruck verringern.“

Wir wussten gar nicht, dass Stromer gut für die psychische Gesundheit sind. Mal schauen, wann diese Argumente auf dem Kontinent ankommen. Leise Zweifel kommen den Autoren an ihrer eigenen These ja dann doch. Die Reichweiten-Angst. Also wenn Tank-Angst jetzt eine echte Krankheit ist, dann auch die Reichweiten-Angst. Und die Angst, etwas falsch zu machen angesichts komplizierter Tank- oder Zahlungsvorgänge. Denn das ist beim Stromer noch schwieriger als beim Verbrenner. Das schreiben die Autoren selber.

Also, das haben wir jetzt gelernt. Stromer helfen. Ein bisschen. Aber möglicherweise überfordern die Stromer auch die Angehörigen der Generation-Z. Und wenn Sie demnächst einen 22-jährigen Tesla-Fahrer vor sich haben, dann drücken Sie sich selber die Daumen, dass der jungen Freund zuhause geladen hat oder dass seine Reichweite noch ausreichend ist. Man kann ja nie wissen…

Und wenn Sie das Gefühl haben, dass das alles nicht so ernst gemeint ist. Leider doch. Wir haben weder den ersten April noch Karneval. Wir sind im richtigen Leben mit seinen Untiefen. Und manchmal sind sie dann doch zu seicht.

Eine schöne Woche und vielleicht sehen wir uns auf der bft-Jahreshauptversammlung in Berlin,

Ihr Stephan Zieger