18.08.2025

Warum es jetzt schon wichtig ist, nach Brüssel zu schauen und warum so viele Branchen dringend E-Fuels benötigen.

Zwei kleine Berichte zum Thema E-Fuels und wie sie zusammenhängen. Wir hatten ja schon öfter darüber geschrieben, dass es Branchen gibt, die es schwer haben grün zu werden. Weil sie unbedingt und immer Strom benötigen. Rechenzentren. Sie sind jetzt schon wichtig, weil sie quasi unser Gedächtnis verwalten. Cloud-Lösungen, Vernetzungen, alles das wird gesteuert über Rechenzentren. Und für noch mehr Wachstum sorgt die KI.

Europäische Rechenzentren stehen in Konkurrenz zu solchen aus Amerika. Die einen müssen sich auf grünen Strom verlassen, nachhaltig sein, die anderen diskutieren sogar über neue Atomkraftwerke und bieten eine breitere Palette von Dienstleistungen. In Europa stellt die Datenschutz-Grundverordnung strenge Anforderungen an den Umgang mit personenbezogenen Daten. In den USA sind die Datenschutzgesetze meistens weniger streng und der Schwerpunkt liegt oft auf Innovation, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit. Es gibt zahlreiche weitere Gegensätze, die in Europa zu höheren Betriebskosten aufgrund strengerer Vorschriften und möglicherweise höheren Energiekosten und in den USA aufgrund höheren Wettbewerbsdrucks zu niedrigeren Preisen führen können. Das noch zur Wettbewerbssituation. Aber jetzt weiter im Text.

Erst einmal, warum wir das Thema aufgreifen. Weil der Energiebedarf unserer Rechenzentren immens ist und noch immenser wird. Schon im März diesen Jahres hat die DENA gesagt, dass Rechenzentren Unmengen Strom brauchen und deswegen sollten sie laut der Deutschen Energieagentur dort angesiedelt werden, wo es ihn erneuerbar gibt. Derzeit konzentriere sich die Neuansiedelungen vor allem auf Regionen wie Frankfurt und Rhein-Main, was das Stromnetz dort stark belastet. Die Rechenzentren boomten bereits jetzt. Deutschland sei der führende Standort für diese Anlagen in Europa, und die Branche wächst schnell – und mit ihr der Stromverbrauch. Laut Dena gibt es über 2000 Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von mehr als 2700 Megawatt (MW), was drei bis vier Kohlekraftwerken entspricht. Prognosen zufolge könnte der Strombedarf von anno 2024 rund 20 Terawattstunden (TWh) bis 2030 auf 31 TWH und bis 2045 auf 80 TWh steigen, das wäre dann eine Vervierfachung gegenüber heute. Die Agentur plädiert dafür, den weiteren Ausbau der Rechenzentren gezielt mit dem Aus- und Umbau der Energiesysteme zu verknüpfen, um eine Überlastung der Stromnetze zu verhindern.

Das ist ehrgeizig. Aber wir wollen gerne glauben, dass es gelingt. Und alles mit grünem Strom, von dem es dann auch genug für andere gibt. Zum Beispiel für E-Autos. Aber was machen diese Rechenzentren wenn es mal keinen Strom gibt. Klar, weiß jeder. Notstromaggregate. Und womit sollen die betrieben werden. Da stockt der Atem. Denn dann brauchen die Dinger Flüssiges. Solar auf dem Dach und das kleine Windrad um die Ecke produzieren gerade nicht. Es ist nämlich spät, dunkel und windstill. Und die zahlreichen Batteriespeicher geben gerade nicht genug ins Netz oder sind noch gar nicht gebaut. Flüssiges muss her. Und da kommt Ineratec ins Spiel. Wir kennen das Unternehmen als einen Pionier in Sachen E-Fuels. „Die sichere Energieversorgung von KI-Rechenzentren ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit”, sagt Maximilian Backhaus, Chief Commercial Officer bei Ineratec. Die e-Fuels böten eine klimaneutrale Lösung, die verlässlich, skalierbar und sofort einsetzbar sei.“ Das Thema ist eigentlich selbsterklärend.

Aber wir erklären es trotzdem, denn auch hier funktionieren E-Fuels. Rolls-Royce stellt die Notstromsysteme bereit. Die mtu-Notstromaggregate können bereits mit nachhaltigen Kraftstoffen betrieben werden. Ineratec produziert den synthetischen Kraftstoff aus grünem Wasserstoff und CO₂ nach ISCC-Standards. Dieser könnte nach Angaben des Unternehmens ohne technische Änderungen in bestehenden Verbrennungsmotoren eingesetzt werden. Kunden aus dem Bereich kritische Infrastruktur erhalten damit eine CO₂-neutrale Alternative zu herkömmlichen Backup-Systemen.

So einfach geht das. Und schon wieder ein Bereich der E-Fuels benötigt. So wie die Schifffahrt und die Luftfahrt. Aber nicht der Verkehr. Dort ist das ist zu teuer und zu ineffizient. Fast nicht mehr zu glauben! Die E-Fuels müssen von der Kette. Sie müssen zeigen, was sie können. Nicht als Gegenentwurf zum Strom, sondern als der andere Baustein zur Klimaneutralität.

Und warum es so wichtig ist, auch über Notstromaggregate und E-Fuels zu reden. Nicht, weil die Dinger auch Verbrenner sind. Nein, es ist nämlich Zeit. Entscheidungszeit. Der Informationsdienst TableBriefings berichtet in dieser Woche, dass die Kommission im Herbst die Weichen für die E-Fuels stellen wird. Es ist also höchste Zeit. Herbst ist ab September. Metereologisch. Wahrscheinlich auch politisch, denn im Moment schauen gerade nicht so viele nach Brüssel. Das muss sich ändern.

Das wäre es für heute. Außer vielleicht. Letzte Woche haben wir über eine geheime Marketingstrategie gesprochen, wie die Schere zwischen Verbrenner und Stromer kleiner werden könnte. VW hat diese Woche eine eigene Variante angekündigt. Dort steht eine Änderung bei Verbrenner-Autos bevor. Der Konzern plant ab dem 21. August eine Preiserhöhung von 1,5 Prozent für viele Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Da hätte man auch drauf kommen können. Von daher ist es wohl auch nicht so schlimm, dass der preiswerte Stromer erst 2027 kommt. So muss unternehmerischer Erfolg aussehen. Aber ich bin ja nur ein Jurist.

Eine schöne Woche

Stephan Zieger