28.07.2025

Was das Kölner Stromnetz mit Schwarmstrom und E-Fuels gemeinsam hat

bft-Geschäftsführer Zieger
Foto: S. Kühnapfel

Sonntags fallen einem auch die mehr abseits gelegenen Beiträge auf. Vor allem an einem regnerischen Sonntag. „Statt E-Fuels lieber E-Mobilität für Verkehrswende und Schwarmstrom“, titelte der Online-Dienst „ERNEUERBARE-ENERGIEN“ in dieser Woche. Neugierig machte uns das Wort Schwarmstrom. Die Autokorrektur im Kopf machte zwar zunächst Schwachstrom aus dem Wort, gleichwohl blieb eine Restneugierde. Deswegen haben wir ihn aufmerksam gelesen.

Der Beitrag ist ein Bericht über eine „Expertise“ des Expertenforums „klimafreundliche Mobilität und Infrastruktur (EKMI)“ des Bundesverkehrsministerium. Es soll sich mit dem Nutzen der E-Fuels für den Straßenverkehr beschäftigt haben. Die Experten kommen vorgeblich zu dem Ergebnis, dass E-Fuels keine Alternative für die Klimawende sind. Wörtliches Zitat: „Das Expertenforum klimafreundliche Mobilität und Infrastruktur (EKMI) verweist E-Fuels auf die Plätze.“ Warum? Na Sie wissen schon. Sie sind nicht effizient. Sie sind zu teuer und es gibt sie nicht. Jedenfalls nicht in ausreichender Menge. Wundert das eigentlich noch jemanden? Wohl kaum. Und Neues haben sie jedenfalls nicht wirklich gefunden. Denn das sind nur die alten Vorurteile. Scheinbar sitzen die wirklich tief.

Aber es ist ein Expertenforum. Und noch dazu ein Forum von „führenden Experten“, bevor jemand auf die Idee kommt, Experte sei kein geschützter Titel. Und dieses Expertenforum ist vom Bundesverkehrsminister installiert worden. Am 12. Juni diesen Jahres hat es seine Arbeit aufgenommen. Und hat auch schon einen Arbeitsbericht vorgelegt. Dieser soll bei einer Stellungnahme helfen, die bis September vom Verkehrsministerium dem Bundesumweltministerium vorgelegt werden muss. Das alles soll wiederum dazu beitragen, dass die Bundesregierung Ihrer Verpflichtung nachkommt, bis spätestens März 2026 ein neues Klimaschutzprogramm vorzulegen. Klingt kompliziert. Und ist es womöglich auch. Vielleicht ergibt sich daraus ja ein Thema für die kommende Woche.

Zurück zum Beitrag. Die Überschrift suggeriert einen Zusammenhang. Tatsächlich aber besteht der nicht. Im Arbeitsbericht des EKMI gibt es keinen Hinweis auf Schwarmladen. Im Bericht gibt es einen Hinweis auf die Frage, wie viele Fahrzeuge gleichzeitig laden können, ohne die Stromnetze zu überlasten? Aber das ist auch alles.

Und was hat es mit dem Schwarmladen auf sich. Was so toll klingt ist am Ende ganz banal. Es ist im Prinzip nichts anderes als ein Tool zur Aufzeichnung und Erkennung dessen, was im Stromnetz so alles passiert. Wahrscheinlich sogar datenschutzkonform, obwohl es bis zum Backofen reicht. Daraus zieht eine KI dann ihre Schlüsse und teilt uns freie Ladeslots zu. Hurra!

Der Beifall der Autoren des Beitrags ist fast euphorisch - wir geben gerne das Zitat weiter. „Die Elektromobilität ist keine ferne Zukunftsvision mehr – sie ist gelebte Realität und technologisch der effizienteste Weg zu klimaneutralem Individualverkehr. Während E-Fuels als teure Nischenlösung allenfalls für Luftfahrt und Schifffahrt diskutiert werden sollten, zeigt das Beispiel Schwarmladen aus Köln, wie intelligente Ansätze Herausforderungen wie Netzstabilität meistern können.“

Stimmt das so? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Was es aufzeigt? Die Stabilität des Kölner Stromnetzes. Aber nicht die Intelligenz des Systems. Denn dass nicht nicht alle um 17.00 h an Werktagen am Stromnetz hängen und ihr Auto laden hat mehr mit dem Zustand der Kölner Straßen und des Kölner Autobahnrings zu tun. Was für ein Glück, mag man da denken, dass es nur dieses Netz ist, das fast jeden Tag zusammenbricht. Dann gibt es für die E-Autos wenigstens dann Strom, wenn sie endlich zuhause sind. Das war jetzt polemisch. Aber mir war danach.

Und nun zurück zum Arbeitsbericht des EKMI und den E-Fuels. Darin steht auf Seite 14 ein kleiner Satz der wie folgt lautet: „Erneuerbare Kraftstoffe: Dissens im EKMI besteht in der Frage, inwieweit erneuerbare Kraftstoffe Berücksichtigung finden sollten.“

Ob das Überschrift und Inhalt des genannten Beitrags rechtfertigt, darf jeder selbst beurteilen. Und vor allem eines. Noch nicht einmal das Wort E-Fuels kommt in dem Arbeitsbericht vor.

Einen schönen Wochenstart

Stephan Zieger