Das Glück in der Verfassung und die Warnlampen

Mann, oh Mann, wie die im Bundestag jetzt auf die Pauke hauen. Wohlstand und Wachstum, plötzlich wird das nicht nur zum Wahlkampfmotto der schwarz/gelben Koalition. Nein alle Parteien im deutschen Bundestag wollen unseren Wohlstand künftig differenzierter messen, damit wir endlich begreifen, wie gut es uns geht. Darauf hat sich vor wenigen Wochen die Enquete-Kommission des Bundestags, bestehend aus 16 Bundestagsabgeordneten und 16 externen Sachverständigen, verständigt. Bitte nicht mehr nur der schnöde Mammon, der im Bruttosozialprodukt nur die materielle Komponente des Wohlstands aufzeigt. Könne diese doch nicht die verschiedenen Dimensionen der Lebensqualität abbilden. Nein, künftig sollen es drei Dimensionen werden, in denen unser Wohlstand gemessen werden soll. Allerdings „Vielfalt und Breite sollten gewahrt bleiben, ohne gleichzeitig durch Tiefe und Komplexität zu überfordern.“ Bleibt die Frage, ab welcher Tiefe man eigentlich überfordert ist.

Dimension eins soll, wie auch bisher, die materielle Komponente bleiben, also das Bruttosozialprodukt. Schließlich ist das die Kennzahl, die international vergleichbar ist. Zwei Prozent Wachstum bedeuten demnach, dass all die Dinge, die ich mir gekauft habe ein zwei Prozent kürzeres Leben haben. Haben uns doch schon die Philosophen der Antike den Begriff der Vergänglichkeit regelrecht eingetrichtert. Wird doch den Dingen das Datum ihres ökonomievertäglichen Frühablebens schon bei der Produktion einprogrammiert. Und das wird jedes Jahr dann genau um den Prozentsatz verkürzt, um den das Bruttosozialprodukt weiter steigen soll. Das kapiere ich ja noch so einigermaßen. Und ich bin beruhigt, dass es sowohl in seiner absoluten Höhe als auch mit seinen Veränderungsraten weiter verwendet werden soll.

Neu hinzu kommen soll künftig als zweite Dimension die Einkommensverteilung. Gut, Statistiken dieser Art gab es bisher zwar auch schon, die je nach Parteifarbe unterschiedlich interpretiert wurden. Aber künftig soll ich persönlich dadurch  meine Lebenszufriedenheit besser messen und beurteilen können. Ob zum Beispiel Herr Winterkorn von VW in der Zufriedenheitsskala vor oder hinter mir rangiert! Sollte man da für Streitfälle nicht gleich auch ein Schiedsgericht schaffen?

Schließlich soll dann als eine dritte Dimension die Schuldenstandsquote als neuer Wohlstandsindikator aufgenommen werden. Die Schuldenstandsquote der öffentlichen Hand kennen wir zwar auch schon irgendwie, aber in diese Dimension werden wir künftig einsteigen, um zu erfahren welchen Handlungsspielraum die öffentliche Hand noch hat und wann die Großhesseloher Brücke in München oder die Autobahnbrücken in NRW endlich renoviert werden. Wenn ich allerdings die aktuellen Klagen der Repräsentanten in den Medien höre, frage ich mich heute schon, was diese Dimension bringen soll.

Und dann werden jeder Dimension Warnlampen zugeordnet. Nettoinvestitionsquote, Vermögensverteilung, finanzielle Nachhaltigkeit des Privatsektors, Immobilienpreise, Erwerbstätigenquote und Lebenserwartung. Nicht zu vergessen das Freiheitsmaß, das durch den Weltbank-Indikator „Voice and accountability“ gemessen werden soll. Etwas ratlos habe ich letzteres im Internet gesucht. Ach so, die Wahrnehmung, wie weit die Bürger eines Staates ihre Regierung wählen können, Versammlungs- und Meinungsfreiheit und die Freiheit der Medien herrschen, sind gemeint. 35 offizielle Quellen fließen allein in die Bewertung dieser Warnlampe ein. Wo bei uns doch sowieso alles alternativlos ist. 

„Wer seine Dimension hier findet, der ist am Ende voll erblindet“ hätte mein Onkel da leicht resignierend gesagt.

Da lobe ich mir den Himalaya-Staat Bhutan. Da wurde vor mehr als dreißig Jahren festgelegt und 2008 in der Verfassung verankert: Nicht Wirtschaftswachstum soll das  wichtigste Entwicklungsziel des Landes sein, sondern das Bruttonationalglück. Gut, dort gibt es nur 700.000 Einwohner und einen König. Jigme Khesar Namgyel Wangchuk heißt er. Aber das klingt doch nach was und fasert nicht aus.

„Wichtig ist was hinten rauskommt,“ hat unser Altbundeskanzler Helmut Kohl einst so schön gesagt.

Wie wäre es also, wenn die Enquete-Kommission oder noch besser gleich die gesamte Bundesregierung einfach mal nach Bhutan reisen und sich von dem König dort aufklären lassen würde? Vielleicht käme sie dann erleuchtet zurück. Bruttonationalglück wäre doch für jede Partei im kommenden Bundestagswahlkampf der Renner überhaupt. Darauf könnte sich jeder Wähler seinen eigenen Reim machen.

Und beim Gang in die Wahlkabine überlegen, wie viel ihm nach dem Setzen seines Kreuzchens davon netto übrig bleiben wird.   

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