Grob gesagt – Grau ist alle Theorie oder die Geschichte vom Eichamt in der Gewinnzone

Okay, nun habe ich mich wieder zu meinem Geburtstag verdrückt. Grau ist alle Theorie – und meine Haarpracht inzwischen auch. Einmal mit der flachen Hand drüber und alles ist glatt. Obwohl, wenn die Sonne drauf scheint, sieht es sogar noch richtig blond aus. Na ja, war mal. Wie so manches in meinem Berufsleben. Waren zum Teil schon interessante Erfahrungen. So 1969 als intellektueller Erstversuch in der BP-Niederlassung in München. Für einen Händlerbetrieb sollte ich damals eine Betriebsanalyse erstellen. Der zahlte immer so schlecht. – Gerne. Aber oh Schreck, der Laden war total überschuldet. „Wie bringe ich das nur meinem wohlgenährten Verkaufsdirektor kurz vor dessen Pensionierung möglichst charmant bei?“, dachte ich. „Also gut“, begann ich, „lieber Herr Direktor, das sind ja furchtbar nette Menschen. Allerdings hat die Bilanz ein kleines Manko. Das Eigenkapital steht leider auf der falschen Seite.“ „Ach“, strahlte er mich an. „Wenn es weiter nichts ist. Viel schlimmer wär´s, sie hätten keins!“ Ich habe ihn dann ganz sanft aufgeklärt und wir haben die Angelegenheit gemeinsam bereinigt, indem wir den Laden einfach spottbillig für BP erworben haben. Ein ganz ungewöhnlicher Coup damals. Und die allmächtige Zentrale in Hamburg hat es erst viel später gemerkt, aber da hatten wir den Laden schon längst wieder flott. Und mein hoch verehrter Herr Direktor ging hochgeehrt in Pension.

Überhaupt, die vielen Menschen, bei denen ich die Ehre hatte, sie während meines bisherigen Berufslebens kennenzulernen. Leute wie den alten Herrn Verkaufsdirektor zum Beispiel. Gut, von Buchhaltung hatte er wenig Ahnung. Aber er hatte es geschafft, seine Firma in Bayern auf einen Marktanteil von über 25 Prozent zu bringen. Und er hatte nicht nur Herz, sondern auch die Gabe, sein Nichtwissen problemlos einzugestehen und sich korrigieren zu lassen. Nein, er war keiner von denen, die mit dem Marschallstab im Tornister antreten.

Manch einer dieser Typen stieg über Nacht mit einer neuen Marketing-Idee plötzlich auf wie ein strahlender Stern und versuchte, seine Firma ohne nachzudenken und auf Teufel komm raus an die Spitze zu bringen. Mal schnell die Payback-Karte mit Tankrabatt installieren oder den Abstand von Super Plus halbieren. Die anderen merken das nicht so schnell. Oder einfach mit der Club-Smart-Card dem Kunden den günstigsten Preis vorgaukeln. Geht´s noch? Die anderen Gesellschaften können da nicht kontern. Oder schnell den Media Markt kopierend das „best-price“-Angebot im Umkreis von fünf Kilometern um die eigenen Tankstellen herum propagieren. Mal ganz davon abgesehen, dass damit der einstmals von der Politik angedachte Sinn der MTS-K inzwischen wohl endgültig zu einer Witzveranstaltung für Smartphone-Süchtige pervertiert ist. Aber damit brachten bzw. bringen diese Helden ihre Gesellschaft zwar kurz dem Abgrund etwas näher, um dann selbst der Reihe nach genauso plötzlich wieder wie Kometen zu verglühen.

„Natürlich muss man auf dieser Welt ein bisschen verrückt sein, um nicht verrückt zu werden“, hätte mein Onkel da gesagt. Aber bitte nicht immer so hirnlos. Die Ölwelt ist immerhin noch so gesund, dass sie all diese Supermänner überlebt. Doch solche Menschen haben mich sowieso noch nie besonders beeindruckt. Die anderen sind es, von denen es Gott sei Dank immer noch einige in unserer Branche gibt. Menschen, die Gespür nicht nur für sich selbst, sondern auch für den Kollegen, für dessen Argumente und den Wettbewerber haben. Seien wir ihnen ruhig mal ein bisschen dankbar dafür, dass wir auch dank ihrer Einsicht als Mittelstand noch existieren. „Wichtig ist, was hinten rauskommt“, hat unser Altbundeskanzler Helmut Kohl einst so schön gesagt.

Alle lecken wir uns kurz unsere Wunden. Und dann geht es weiter mit unseren eigentlichen Problemen, die uns die immer irrlichternde Politik unserer Bundesregierung bereitet. Vom Mindestlohn über die sicherheitstechnische Bewertung von Tankstellen bis hin zum Verhaltenskodex für alle Ölgesellschaften. Als Vertreiber fossiler Energien kommen wir in deren Gedankenwelt, wenn überhaupt, nur noch als Bösewichte vor. Und die muss man, solange es sie noch gibt, richtig abkassieren. Z.µB. durch die neue Gebührenordnung zum Eichgesetz. Was waren das für rosige Zeiten, als das Eichamt letztes Jahr für eine Kraftstoffanlage bei einer Rundfahrt pro Schlauch 108 Euro kassierte. Nach der neuen Gebührenordnung vom 27.03.2015 sind es jetzt 167,10 Euro für temperaturkompensierte Zapfschläuche, lächerliche 55 Prozent mehr. Bei durchschnittlich 25 Schläuchen pro Station sind das rund 1.500 Euro mehr und für die Branche hochgerechnet fast 10 Mio. Euro p.µa. So will man, weit weg von jedem Wettbewerbsgedanken, dieses staatliche, marode Monopol offensichtlich zu unseren Lasten endlich doch noch in die Gewinnzone bringen.

 

 

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