Grob gesagt: Kultur oder lieber doch meine alltäglichen Probleme?

Gestern habe ich, wie üblich, meine Anzughosen gebügelt. War nötig, um nicht so vergammelt auszusehen. Und da hatte ich wieder mal genügend Zeit und Muße darüber nachzudenken, ob Tätigkeiten dieser Art eigentlich noch zur deutschen Leitkultur gehören oder, durch Jeans und T-Shirts überholt, längst schon zum alten Eisen gehören? Überhaupt so ziemlich alles, was meine Mama mir zu dem Thema der richtigen Kleidung einst beigebracht hat. 

Was ist denn überhaupt deutsche Leitkultur? Graffitis an S-Bahnzügen oder in der Unterführung am Aubinger S-Bahnhof? Oder Halloween an dem Tag, an dem einst andächtig der Reformationstag gefeiert wurde? Oder „Black Friday“ am Freitag vor dem ersten Advent mit wahnsinnigen Preisnachlässen in allen möglichen Kaufhäusern? Um dem Motto „Geiz ist geil“ noch eins draufzusetzen!

„Wer bei uns leben will, muss die Leitkultur unseres Landes akzeptieren“, heißt es im neuen Grundsatzprogramm der CSU. Doch die CSU ist ja nur in Bayern wählbar, also meint sie wahrscheinlich so etwas wie eine bayerische Leitkultur. Aber wie ist die denn? Etwa Blasmusik mit Schuhplattlern und auf jeden Fall Lederhosen- und Dirndlzwang zum Oktoberfest? Irgendwie blöd für mich, denn zur Wies´n bin ich früher mit meinen Kindern immer in Jeans gegangen, um mir beim Achterbahn- und Karussellfahren und ganz besonders später im Bierzelt nicht die schön gebügelten Hosen zu versauen. Aber das juckt mich nicht mehr besonders, weil ich zu diesem „Mega-Event“ hinterm Zaun sowieso längst nicht mehr gehe. Also darf ich bei Hosen mit Bügelfalten bleiben?

Mal ganz offen und ehrlich, so richtig kenne ich mich eigentlich nicht mehr aus. Kann man wenigstens noch den christlichen Glauben, ob nun evangelisch oder katholisch, zur deutschen Leitkultur zählen? Fühlen sich in Deutschland doch nur noch ca. 56 Prozent mit einer der beiden Kirchen verbunden. In Bayern sind es immerhin noch ca. 70 Prozent. Da hält es vielleicht noch ein bisschen länger, Deutschland als christliches Abendland. Also wohin marschieren wir eigentlich? Wird die deutsche Leitkultur demnächst beliebig und „denglish“ sprechend? In der Mineralölfirmen nicht mehr Kaufleute, sondern nur noch „B2B Seller“ oder „Master“ nach dem Motto „hire and fire“ engagieren? Es werden keine Abonnementspreise mehr verlangt, sondern „Subscription Fees“. Und wir mutieren zu einem Land, in dem nur noch „Mega-Events“ gefeiert werden und in dem wir auf Facebook oder Twitter völlig ungestraft Lügen verbreiten und unsere ehemaligen „Friends“ nach Lust und Laune möglichst ordinär beschimpfen und „not liken“ können. Ist dafür das Wort „Kultur“ überhaupt noch angebracht?

„Kultur ist Bodenbewirtschaftung und die Pflege geistiger Güter“, hätte mein Onkel mir da bestimmt erklärt. Na ja, mit beidem habe ich, abgesehen von meinem abendlichen Himbeergeist, wenig am Hut. Da ist die CSU zumindest bei der Bodenbewirtschaftung, der Agrarkultur, sicher näher dran.

Deshalb wende ich mich lieber wieder meinen alltäglichen Problemen zu. Und da fiebere ich ganz besonders dem nächsten Frühjahr entgegen. Denn da soll der deutsche Bundestag über den § 60 des Energiesteuergesetzes entscheiden. Nach dem Willen unseres Finanzministers soll der nämlich gestrichen werden. Also dann keine Rückerstattung der Mineralölsteuer mehr, wenn der eigene Kunde Insolvenz anmeldet und die Rechnung für den gelieferten Sprit nicht mehr bezahlt. Einmal abgesehen davon, dass jeder Lieferant in so einem Fall die Mehrwertsteuer geltend machen kann. Welche neuen Belastungen will der Finanzminister uns als Mittelstand denn noch aufhalsen?

Bis heute verlangen unsere Lieferanten aufgrund der Gesetzeslage nur Sicherheiten für das reine Warenrisiko. Und das macht weit weniger als die Hälfte des jeweils aktuellen Preises aus. Wenn diese Grundlage gestrichen wird, werden unsere Lieferanten dann wohl bis zum dreifachen mehr an Sicherheiten von uns verlangen. Dann jedenfalls gute Nacht für einige von uns!

„Wichtig ist, was hinten rauskommt“, hat unser Altkanzler Helmut Kohl einst so schön gesagt. Also hoffen wir, dass unsere Argumente, die wir klar und deutlich sowohl in den Ministerien als auch bei den Abgeordneten vorgetragen haben, letztlich nicht nur auf fruchtbaren Boden gefallen, sondern auch verstanden worden sind. Und dass die Abstimmung im Parlament zu unseren Gunsten endet.

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