Grob gesagt - Mein altes Cafe, mein Bistro und die Mieten

Als mein innig geliebtes altes Café Rischard wegen Umbau geschlossen wurde, überwältigte mich beinahe echte Wehmut. Jahrzehntelang war ich dort Gast. Wo sollte ich denn jetzt hingehen? Doch als das Café nach dem Umbau wiedereröffnet wurde, trieb mich die Neugier natürlich wieder hin. Und da realisierte ich, dass mich nicht nur wegen des Umbaus Wehmut gepackt hatte. Denn wo war mein alter Stammplatz geblieben und wo sollte ich mich jetzt hinsetzen? Nichts war mehr wie zuvor und alles mehr als gewöhnungsbedürftig. Wo waren die flauschigen, mit Blümchen verzierten Plüschsessel geblieben? Aber als Mineralöl-Mensch ist man ja flexibel. Und nach kurzer Suche habe ich dann doch wieder eine Ecke gefunden, in der ich mich inzwischen sogar ganz wohl fühle. Die Stühle zwar ohne die weichen Polster wie einst, aber irgendwie geht das auch so. Und in meiner neuen Ecke gibt es nicht einmal einen WLAN-Anschluss, aber drei Tageszeitungen. Meist sind sie noch unberührt, weil die meisten Gäste schweigend auf ihren Smartphones herumwischen. Aber auch sie scheinen sich wohlzufühlen, auch wenn ihr Kaffee bei dem Dauergetippe kalt wird. Und ganz ehrlich, ich fühle mich auch wieder wohl. Vor allem, wenn ich mich nach dem politisch doch immer brisanteren Teil der Tageszeitung ganz in Ruhe auf das meist noch jungfräuliche Kreuzworträtsel stürzen kann.

 Aber eigentlich könnte ich diesen Genuss inzwischen auch in einer unserer Tankstellen haben. Da, wo früher die Kfz-Werkstatt war, haben wir längst einen radikalen Mauerdurchbruch gemacht. Immer schönere Caféecken haben wir da für gutes Geld installiert, die Bistros und überhaupt alles neu gemacht. Obwohl, wenn ich da erscheine, kann ich trotz des riesigen Zeitschriftenangebots kein Kreuzworträtsel lösen. Schließlich komme ich dort ja hin, um kleinere oder größere Probleme mit oder für unseren Partner zu lösen. Und der hat heute natürlich ganz andere Themen als früher. Nix mehr mit „Können Sie mir im rechten Vorderscheinwerfer mal schnell ein neues Lämpchen einsetzen?“ Eher die Frage, warum der Kaffee zwanzig Cent teurer als beim Bäcker vorn an der Ecke ist. Gut, das ist nur ein Erklärungsproblem, weil unser Kaffee zumindest um diese zwanzig Cent besser ist. Und die meisten Kunden sehen das auch ein und kommen gern wieder. Zumindest so lange, wie unser Partner noch genügend Personal zur Besetzung seiner Schichten findet. Denn das wird zu einem immer größeren, ja immer schwierigeren Problem. Hier arbeitet doch keiner mehr für elf oder zwölf Euro Stundenlohn. Die Überwachung des Mindestlohns kann sich der Zoll hier jedenfalls sparen.

 Denn ganz richtig, die Leute verdienen hier im Umkreis inzwischen um einiges mehr. So belegt eine Studie der Immowelt, dass die Kaufkraft in München in den letzten Jahren um 35 Prozent gestiegen ist. Schön! Die Wohnungsmieten allerdings um 134 Prozent. Nur fast so dramatisch, aber ähnlich ist es im oberbayerischen Umland, so z.B. im Landkreis München. Da ist die Kaufkraft sogar um 38 Prozent gestiegen, die Mieten allerdings auch um stolze 88 Prozent. Und es zieht sich weiter wie ein Flächenbrand. Ob nun Dachau oder Miesbach, überall sind die Mieten um mindestens das Dreifache der zugewonnenen Kaufkraft gewachsen. Da fragst du dich manchmal schon, wohin das noch führen soll.

 Du nörgelst ja bloß herum, weil du langsam alt wirst und das nicht mehr verstehst“, hätte mein Onkel da lächelnd gesagt. (So nett war er allerdings nur, wenn er selbst von etwas genervt war.)

 Aber das ist letztlich keine Altersfrage. Denn wo, frage ich mich, wird das einmal enden? Vielleicht sollte ich deshalb als nächstes Projekt lieber im Landkreis Görlitz eine Freie Tankstelle bauen. Da liegen die Mieten nämlich um 37 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Aber immerhin ist dort auch die Kaufkraft um 21 Prozent gesunken. Also könnte man vielleicht leichter interessiertes Personal zum Mindestlohn finden. Ob die Kunden da allerdings künftig unseren schönen Shop mit all den leckeren Sachen auf dem Fahrrad besuchen, weil ihnen Autofahren zu teuer wird? 

„Wichtig ist, was hinten rauskommt“, hat unser Altkanzler Helmut Kohl einst so schön gesagt. Wollen wir hoffen, dass hinten da nicht irgendwann eine Katastrophe rauskommt!

 

Drucken/Speichern

< zurück
 
 

Bundesverband
Freier Tankstellen e.V.
Ippendorfer Allee 1d
53127 Bonn
Telefon 0228 / 9102944
Telefax 0228 / 9102929
E-Mail: info(at)bft.de

Büro Berlin:

Georgenstraße 23

10117 Berlin

 

 

Über den bft

Aufgaben & Ziele

Mitglieder

Vorstand

Landesgruppen

Tankstellenmesse

bft-Klimabonus

Basis-bft-Downloads

Links

Themen

Markttransparenzstelle

E10-Einführung

Ausbildung

Energie und Umwelt

Recht

SEPA

Steuerentlastung bei Zahlungsausfall

Autowäsche am SonntaG

Mitglieder

Warum MItglied werden?

Mitglied werden

Daten und Fakten

Entwicklung Tankstellenanzahl

Kraftstoffmarktanteile

Straßentankstellen in Deutschland

Autobahntankstellen in Deutschland

Erdgastankstellen in Deutschland

Autogastankstellen in Deutschland

Benzinpreis-Zusammensetzung

Entwicklung der großen Marken

Langzeit-Preisentwicklung Benzin

Langzeit-Preisentwicklung Diesel

Staatl. Steuereinnahmen

Branchenstudie

Termine

Aktuelles

Presse

Presse – Fotodownloads Verband

Presse - Foto Downloads Tankstellenbilder

Grob gesagt

bft-Nachrichten

Rechtstipp

Tankstellenfinder

zur eft

Kontakt

Downloads