Klimawandel und die gestohlene Zeit

Da sitze ich nun etwas ratlos in unserer Tankstelle in München. Das schöne Produkt E85 ist hier fast schon ein kleiner Renner geworden. Aber nun beginnen immer heftigere Zweifel an mir zu nagen. War es eigentlich richtig, der EU-Kommission und der Bundesregierung zu glauben? Wem soll man denn überhaupt noch glauben? Nicht einmal mehr unserem Finanzminister Herrn Schäuble kann man noch glauben!
Und dabei geht der schon wild entschlossen auf Wetten mit Journalisten über die Tragfähigkeit seiner Aussagen ein. Wie hat er doch im  Juli 2011 in einem Interview mit der FAZ gesagt? "Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart. Griechenland wird insgesamt drei Jahre die Kreditlinien in Anspruch nehmen können. Dann können sie noch fünf Jahre laufen. Danach ist Schluss." Ehrlich, schon damals habe ich gezweifelt. Aber wenn er schon Wetten annimmt.

Schließlich sind Wettschulden ja Ehrenschulden. Aber Politiker und Ehre? Die Wette ging jedenfalls in die Hose. Da hätte ich doch ein bisschen klüger sein können. Überhaupt hätte ich längst schon klüger sein können! Wenn ich an all die zusammengestöpselten Gesetze und Verordnungen denke. Die Klimakatastrophe wollten wir verhindern und den CO2 Ausstoß absenken.

Deshalb mischen wir doch fröhlich Rapsöl in den Diesel und Bioalkohol in den Ottokraftstoff. Denn das Klimaschutzziel war bis vorgestern doch 10 %. 10 % fossile Kraftstoffe, die wir bis 2020 im Transportsektor durch Biokraftstoffe ersetzen sollten.

Doch das ist jetzt  vorbei. Lange hat man uns erzählt, dass Pflanzen Kohlendioxid aufnehmen. Den Kohlenstoff nutzen sie für ihr Wachstum. den Sauerstoff geben sie ab. Werden sie dann als Biokraftstoff verbrannt, entsteht wieder Kohlendioxid, aber nur so viel wie die Pflanze vorher aufgenommen hat. Klimaneutral sollten sie sein. Doch jetzt hat man erkannt, dass es einen fatalen Zusammenhang zwischen Teller und Tank gibt. Die früher hier bei uns angebauten Lebensmittel- und Futterpflanzen müssen angeblich heute anderswo, also außerhalb Europas angebaut werden. Dafür werden Regenwälder gerodet und der Ausstoß von Treibhausgasen steigt. Plötzlich belasten Biokraftstoffe das Klima stärker als fossiler Diesel und Ottokraftstoff. Also warum überhaupt noch, wenn sie doch die Umwelt stärker als fossiler Kraftstoff belasten? Geht es denn noch um Klimaschutz oder nicht eher um Lobbyinteressen? Die Lobbyisten kann ich allerdings auch verstehen. Milliarden haben  sie in dieses erlösreiche Geschäft  investiert. Und wenn die EU und die Bundesregierung langfristig so planen, dann ist es selbstverständlich, dass man Planungssicherheit erwartet. Und jetzt? 

"Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her“, hätte mein Onkel da eine alte Volksweisheit zitiert.

Und da ist es auch schon! Um nicht all das schöne Investment schlagartig den Bach hinunter gehen zu lassen, wird die Reform jetzt ein bisschen reformiert. Immerhin soll künftig der Anteil von Raps, Mais, Weizen und Rüben noch 5 % betragen dürfen. Die zweiten 5 % sollen künftig durch Biofuels der 2.und 3. Generation geschafft werden. Zwar blöd, dass es die noch gar nicht gibt und dass sie wahrscheinlich wesentlich teurer sein werden. Aber immerhin, der Salto rückwärts scheint zumindest kurzfristig zu gelingen.

Was nächstes Jahr ist, werden wir sehen. So, wie auch bei den Vollzugshinweisen des bayerischen Sozialministeriums. Da hatten wir am 1. Oktober eine freiwillige Vereinbarung mit dem Ministerium getroffen. Nach 22:00 Uhr wollten wir freiwillig auf den Verkauf von Alkohol verzichten, um den leidigen Begriff des Reisenden im motorisierten Fahrzeug nach 20:00  Uhr endlich vom bayerischen Tisch zu bekommen. Aber der Koalitionspartner der CSU, die bayerische FDP  und ein schreibwütiger Lobbyist aus der Jägerstraße, der auch gerne mal mit aufgeblasenen Zahlen operiert, waren beleidigt und hatten so lautstark so viel daran auszusetzen, dass ein neuer Termin notwendig wurde, um das Ganze noch einmal zu behandeln.

"Wichtig ist was hinten raus- kommt“, hat unser Altbundeskanzler Helmut Kohl einst so schön gesagt.

Und was kam drei Wochen später zu nächtlicher Stunde dabei heraus? Genau dasselbe, was wir schon zuvor ausgehandelt hatten.

Jedenfalls eines habe ich dabei gelernt. In meinem Alter leiste ich mir jetzt  den Luxus, Leute nicht mehr besonders zu mögen, wenn sie mir meine wertvolle Zeit für nichts stehlen.

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