Kassenfehlbeträge: Wer haftet?

Erschienen im TANKSTOP 4/2014

Immer wieder kam es in der Tankstellen von bft-Mitglied Andreas O. zu Fehlbeträgen in der Kasse. Bei genauerem Hinschauen konzentrierten sich die Fälle überwiegend auf die beliebte Kollegin Chantal. Dass es schon mal zu kleineren Differenzen kommen kann, stand für Andreas O. außer Zweifel. Nur Chantal produzierte in ihren Dienstzeiten regelmäßig mindestens einmal wöchentlich kleine bis mittlere Fehlbeträge. Fest stand auch, dass die Fehlbeträge nicht in der privaten Tasche der jungen Dame gelandet waren. Chantal war grundehrlich, aber eben leider im Umgang mit dem Wechselgeld etwas schlampig. Nachdem dann kleinere Ermahnungen nicht wirklich fruchteten und dann kurz nach Karneval ein Fehlbetrag von 22,81 EUR an einem Kassenarbeitstag auftrat, reichte es Andreas O.

Für den laufenden Monat ließ er sich aufgelaufenen Fehlbeträge aufsummieren und zog sie bei der darauf folgenden Gehaltsabrechnung vom Gehalt ab. Die Mitarbeiterin ließ sich daraufhin von ihrem Anwalt beraten. Dieser setzte ein Schreiben an den Arbeitgeber auf, in dem er die vollständige Auszahlung des Gehaltes an seine Mandantin verlangte.

Andreas O. wandte sich an den Verband mit der Frage der Zulässigkeit einer solchen Maßnahme.

Leider, und das war das Ergebnis unserer Recherche, hatte der Anwalt von Chantal Recht. Eine Haftung könnte sich aus einer sogenannten positiven Vertragsverletzung des Arbeitsvertrages ergeben. Der Arbeitnehmer hat nämlich die Pflicht, den Arbeitgeber weder am Eigentum noch am Vermögen zu schädigen. Diese Verletzung müsste vorsätzlich oder wenigstens fahrlässig begangen worden sein. Bei der Fahrlässigkeit wird allerdings noch nach dem Grad der Fahrlässigkeit differenziert. Da Andreas O. hierzu aber nichts Konkretes vortragen konnte, ist auf die allgemeine Lebenserfahrung zurückzugreifen. So ärgerlich es im Einzelnen ist, angesichts der großen Zahl anfallender Geldwechselvorgänge mit kleinen Stückelungen der auszugebenden oder einzunehmenden Münzen sind Fehlleistungen nicht auszuschließen, und diese Fehlleistungen sind damit auch eher der leichten Fahrlässigkeit zuzurechnen. Damit scheidet aber eine Haftung des Arbeitnehmers aus. Für Chantal bedeutet dies, dass Andreas O. mit der nächsten Gehaltsabrechnung den einbehaltenen Betrag auszuzahlen hat.

Die Juristen behandeln diese Problematik unter dem Stichwort „Mankohaftung“. Überall dort, wo Mitarbeiter mit Geld umgehen, sind Fehlbeträge in der Kasse ein Dauerthema. Kassendifferenzen machen gerade im Einzelhandel einen nicht unerheblichen Verlust aus.

Was also kann Andreas O. dafür tun, dass Chantal und ihre Kolleginnen in Zukunft nicht nur schnell und freundlich, sondern auch zuverlässig arbeiten? Die beste Absicherung für den Arbeitgeber und seinen Arbeitnehmer ist die Vereinbarung einer Mankoabrede im Arbeitsvertrag. Eine Mankoabrede ist eine verschuldensunabhängige Haftung für Fehlbeträge. Der Arbeitnehmer zahlt Fehlbeträge aus eigener Tasche, wenn die Kasse nicht stimmt. Zum Ausgleich hierfür erhält Chantal zusätzlich zu ihrem Gehalt ein „Mankogeld“.

Achtung: Maximal dürfen Arbeitnehmer nur bis zur Höhe dieses Mankogeldes in Anspruch genommen werden. Andreas O. hat dies für sich einmal durchgerechnet. Die kleine „Prämie“ könnte bei ihm dazu führen, dass die Höhe der Fehlbeträge zurückgeht. Denn da ist sich Andreas O. sicher: Chantal würde das Mankogeld gerne sicherlich am Monatsende für sich behalten. Dafür wird sie künftig noch genauer hinschauen. Und von seinem Steuerberater hat Andreas O. erfahren, dass ein Mankogeld bis 16 EUR monatlich steuerfrei bleibt. Erst der übersteigende Betrag löst eine Steuerpflicht aus.

Andreas O. weiß jetzt, nur bei vorsätzlichem Handeln greift eine weitergehende Haftung. Chantal und ihre Kolleginnen freuen sich über die kleine Lohnerhöhung, auch wenn sie immer erst am Ende des Monats wissen, ob sie das Geld wirklich auch behalten können. Dafür sind in den ersten drei Monaten nach dieser Abrede an Andreas O.´s Tankstelle die Fehlbeträge tatsächlich gesunken.

 

Quellen: BAG, Urteil vom 17. September 1998 - 8 AZR 175/97, und weitere Nachweise in späteren Urteilen; gemäß LStR 19.3 Abs.1 Nr. 4 für die Lohnsteuerfreiheit des Mankogeldes

bft / Stephan Zieger

 

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