Abhängigkeit ist kein Klimaschutz
Immer öfter höre ich in Diskussionen, dass man beim Ausbau der Elektromobilität keine Zeit mehr habe – und wenn europäische Hersteller zu langsam seien, müsse man eben mehr Fahrzeuge aus China zulassen. Hauptsache, der Verbrenner verschwindet schneller.
Diese Haltung mag gut gemeint sein, ist aber kurzsichtig. Denn sie blendet aus, was auf dem Spiel steht: Europas industrielle Souveränität.
03.11.2025
Immer öfter höre ich in Diskussionen, dass man beim Ausbau der Elektromobilität keine Zeit mehr habe – und wenn europäische Hersteller zu langsam seien, müsse man eben mehr Fahrzeuge aus China zulassen. Hauptsache, der Verbrenner verschwindet schneller.
Diese Haltung mag gut gemeint sein, ist aber kurzsichtig. Denn sie blendet aus, was auf dem Spiel steht: Europas industrielle Souveränität.
Schon heute kontrolliert China den größten Teil der weltweiten Batteriezellenproduktion, die Verarbeitung entscheidender Rohstoffe wie Lithium, Graphit und Kobalt sowie große Teile der Softwarearchitektur moderner Elektrofahrzeuge. Wer also den Wandel zum Elektroauto forciert, ohne gleichzeitig eigene industrielle Kapazitäten aufzubauen, riskiert eine gefährliche Abhängigkeit – wirtschaftlich, technologisch und geopolitisch.
Zudem verzerren staatliche Subventionen in China den Wettbewerb. Fahrzeuge chinesischer Hersteller werden in Europa teilweise zu Preisen angeboten, die unterhalb dessen liegen, was hiesige Produzenten allein für Bauteile bezahlen. Das ist kein fairer Markt, sondern industriepolitisches Ungleichgewicht – und es gefährdet Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Know-how in Europa.
Und wir dürfen nicht vergessen: Diese Abhängigkeit ist nicht nur ökonomisch, sondern auch geopolitisch riskant. Ein Konflikt um Taiwan oder ein Handelsstreit mit China könnte Lieferketten abrupt zum Stillstand bringen – mit Folgen, die weit gravierender wären als die Energiekrise nach dem russischen Gasstopp.
Deshalb muss europäische Klimapolitik mehr sein als das bloße Hochfahren der Elektrozulassungen. Sie muss Wertschöpfung in Europa sichern, gleiche Spielregeln für alle Marktteilnehmer garantieren und in strategische Rohstoffketten sowie Recycling investieren. Vor allem aber braucht sie Technologieoffenheit: CO₂-Neutralität darf nicht bedeuten, sich auf eine einzige Antriebsform festzulegen – sondern sollte Vielfalt ermöglichen, von synthetischen Kraftstoffen bis Wasserstoff.
Gerade der Mittelstand zeigt, dass es auch anders geht. Viele Unternehmen der Energie- und Mineralölwirtschaft investieren längst in klimaneutrale Kraftstoffe und Innovationen jenseits der reinen Batterieelektrik. Ein aktuelles Beispiel ist die Vereinbarung zwischen German eFuel One, der BMW Group und der LOTHER GmbH: Ab 2028 sollen Fahrzeuge mit eFuels als Erstbefüllung ausgeliefert werden – ein starkes Signal für Technologieoffenheit und für die Zukunft effizienter Verbrennungsmotoren.
Solche Initiativen entstehen in europäischen Werkshallen, nicht in chinesischen Staatskonzernen. Sie zeigen, dass Klimaschutz und industrielle Stärke keine Gegensätze sind, sondern sich ergänzen können – wenn man den Mut hat, die Vielfalt technologischer Lösungen zuzulassen.
Anstatt neue Abhängigkeiten zu schaffen, sollte Europa Partnerschaften mit demokratischen Ländern in sonnenreichen Regionen eingehen – dort, wo erneuerbare Energie im Überfluss vorhanden ist und zu synthetischen Kraftstoffen verarbeitet werden kann. Das wäre nicht nur gut fürs Klima, sondern auch ein Beitrag zu stabileren globalen Beziehungen und zu mehr Unabhängigkeit von autoritären Regimen.
Klimaschutz, der neue Abhängigkeiten schafft, ist kein Fortschritt. Europa braucht eine Energiewende, die Umwelt und Industrie gleichermaßen stärkt – und die unsere wirtschaftliche und politische Handlungsfähigkeit erhält.