06.03.2026
Steigende Kraftstoffpreise: Markt und Steuern treiben die Kosten
Die zuletzt gestiegenen Kraftstoffpreise sorgen erneut für Diskussionen über die Preisbildung an Tankstellen. Der Bundesverband Freier Tankstellen (bft) weist darauf hin, dass die Entwicklung an der Zapfsäule vor allem von internationalen Märkten, saisonalen Effekten und staatlichen Abgaben geprägt wird.
Mit Blick auf aktuelle mediale Aussagen zu angeblicher „Abzocke“ stellt der Verband klar: „Die Aussagen zeigen klar ein mangelndes Verständnis für den Markt. Tankstellen kaufen Kraftstoffe zu aktuellen Marktpreisen ein und orientieren sich bei der Preisbildung an den Kosten der nächsten Lieferung – der sogenannten Wiederbeschaffung oder Nachdeckung“, erklärt Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer des bft. „Wenn sich Rohölpreise oder geopolitische Risiken auf den Weltmärkten verändern, steigen oder fallen auch die Einkaufspreise entsprechend.“
Der häufig geäußerte Eindruck, Tankstellen würden zunächst günstiger eingekaufte Bestände verkaufen und müssten ihre Preise deshalb nicht sofort anpassen, greift aus Sicht des Verbandes zu kurz. „Kraftstoffe werden an Tankstellen sehr schnell umgesetzt – im Durchschnitt wird die Ware etwa alle drei Tage vollständig gedreht. Deshalb reagieren Preise relativ zügig auf Veränderungen am Großhandelsmarkt.“ Zudem wirken strukturelle Veränderungen im europäischen Markt weiterhin nach. Seit dem Wegfall russischer Ölprodukte infolge des Angriffskriegs gegen die Ukraine musste sich der Markt neu organisieren. Das macht den Markt insgesamt sensibler für geopolitische Entwicklungen.
Beim Dieselpreis spielt derzeit außerdem ein saisonaler Faktor eine Rolle. „Wir befinden uns weiterhin in der Heizsaison. Heizöl und Diesel sind technisch eng verwandte Produkte und konkurrieren in der Raffinerieproduktion. Eine hohe Nachfrage nach Heizöl kann daher auch Auswirkungen auf die Dieselpreise haben.“
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Kraftstoffpreises sind staatliche Abgaben und regulatorische Kosten. Dazu zählen insbesondere Energiesteuer mit derzeit 65,45 Cent je Liter Benzin und 47,04 Cent je Liter Diesel sowie der CO₂-Preis im nationalen Emissionshandel. Hinzu kommen regulatorische Vorgaben wie die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote), die Mineralölunternehmen verpflichtet, die Emissionen ihrer Kraftstoffe schrittweise zu reduzieren. Auf den gesamten Nettobetrag wird zusätzlich die Mehrwertsteuer von 19 Prozent erhoben. „Je nach Marktniveau liegt der staatliche und regulatorische Anteil am Kraftstoffpreis heute bei etwa der Hälfte des Endpreises“, so Kaddik. „Steigende Produktpreise führen dabei automatisch auch zu höheren Mehrwertsteuereinnahmen.“
Der bft weist zugleich darauf hin, dass dauerhaft hohe Preise auch für Tankstellenbetreiber kein Vorteil sind. „Die Margen pro Liter bleiben in der Regel konstant, während gleichzeitig deutlich höhere Warenwerte finanziert werden müssen. Gleichzeitig sinkt bei sehr hohen Preisen häufig die Nachfrage.“
Freie Tankstellen spielen dabei eine wichtige Rolle im Wettbewerb: Rund 20 Prozent der Tankstellen in Deutschland gehören zum mittelständisch geprägten Netzwerk freier Stationen, die im bft organisiert sind. „Diese Betriebe wirken als wichtiges Regulativ im Markt. Gerade der Wettbewerb zwischen freien und markengebundenen Stationen sorgt dafür, dass Preise regional unter Druck bleiben und Verbraucher von funktionierendem Wettbewerb profitieren.“
Der bft betont daher: Die Preisentwicklung an der Zapfsäule ist das Ergebnis internationaler Marktbewegungen, saisonaler Nachfrage, regulatorischer Kosten und steuerlicher Belastung – nicht das Resultat kurzfristiger Entscheidungen einzelner Tankstellenbetreiber. Niemand muss sich sorgen, die Kraftstoff-Versorgung ist gesichert. Wir appellieren jedoch an die Verbraucher, Ruhe zu bewahren, Hamsterkäufe zu unterlassen und ungerechtfertigte Vorwürfe an unsere Stationsbetreiber und die Beschäftigten an der Kasse zu unterlassen.