Elektromobilität – sinnvoller Baustein, aber kein Alleingang

Die Elektromobilität ist ein zentraler Bestandteil der aktuellen Verkehrswende – politisch gewünscht, wirtschaftlich forciert und technisch in vielen Bereichen bereits etabliert.

Für viele Anwendungen, insbesondere im urbanen Raum, ist sie eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Mobilitätsmix. Doch aus Sicht mittelständischer Tankstellenbetreiber stellen sich auch Fragen nach Wirtschaftlichkeit, Infrastruktur, Netzbelastung und Kundenakzeptanz.Elektromobilität ist wichtig – aber sie allein wird die Herausforderungen im Verkehrssektor nicht lösen.

Technologie und Funktionsweise

Elektrofahrzeuge werden über externe Stromquellen geladen und speichern die Energie in Lithium-Ionen-Batterien. Ihre Vorteile liegen im lokal emissionsfreien Betrieb, in einer leisen Fahrweise und in geringen Wartungskosten.

Gleichzeitig stehen dem höhere Anschaffungskosten, begrenzte Reichweiten, Ladezeiten und die Abhängigkeit von bestimmten Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Nickel gegenüber.

Die ökologische Bilanz eines E-Autos hängt stark vom Strommix und der Batterieherstellung ab. So kann der CO₂-Vorteil je nach Nutzung und Energiequelle variieren – insbesondere bei kurzer Fahrzeugnutzung oder Strom aus fossiler Erzeugung.

Bedeutung für Tankstellen

Für Tankstellenbetreiber bietet Elektromobilität neue Chancen – aber auch Herausforderungen:

  • Ladeinfrastruktur lässt sich integrieren, ist aber mit hohen Investitionskosten und langen Amortisationszeiten verbunden.
  • Der Platzbedarf und die Ladezeiten machen Schnellladen an klassischen Standorten oft schwierig – vor allem in dicht bebauten urbanen Lagen oder auf kleinen mittelständischen Standorten.
  • Nutzerverhalten verändert sich: Viele E-Fahrzeuge werden zu Hause oder beim Arbeitgeber geladen – spontane Ladevorgänge an Tankstellen bleiben eher die Ausnahme.

Die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer Ladeinfrastruktur ist deshalb stark abhängig von Standort, Zielgruppe und Kundenfrequenz – und nicht überall gegeben.

Politische und regulatorische Einordnung

Die politische Fokussierung auf Elektromobilität spiegelt sich in zahlreichen Förderprogrammen, Steuervergünstigungen und Zulassungsvorgaben wider.

Gleichzeitig wurde mit dem Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) und der novellierten Ladesäulenverordnung der Druck auf viele Betreiber erhöht, Ladepunkte zu schaffen – unabhängig von Wirtschaftlichkeit oder Bedarf.

Der bft hat sich stets gegen verpflichtende Ladeinfrastruktur an Tankstellen ausgesprochen.

Der Aufbau muss wirtschaftlich darstellbar und marktgetrieben erfolgen – nicht durch Zwang oder Subventionen, die mittelständische Unternehmen benachteiligen.

Position des bft

Elektromobilität hat ihre Berechtigung – aber nicht im Alleingang.

Der bft spricht sich für eine technologieoffene Mobilitätspolitik aus, die neben Batterie-E-Antrieben auch klimaneutrale Kraftstoffe wie E-Fuels, HVO und Wasserstoff, aber auch Autogas gleichwertig berücksichtigt.

Unsere Position:

  • Ladeinfrastruktur darf keine Pflichtaufgabe für Tankstellen sein.
  • Es braucht faire Marktbedingungen, die allen Technologien eine Chance geben.
  • Der Wettbewerb um die beste Lösung sollte vom Markt, nicht von der Politik entschieden werden.

Nur so entsteht eine tragfähige Mobilitätsstrategie, die wirtschaftlich, sozial und ökologisch funktioniert – auch für den Mittelstand.

Weiterführende Informationen

Weitere Zahlen und Fakten zur Ladeinfrastruktur, zu Förderprogrammen und den politischen Rahmenbedingungen finden Sie u. a. auf den Seiten der Bundesnetzagentur und des Bundesverkehrsministeriums.

Gerne unterstützen wir unsere Mitglieder bei Fragen zur Wirtschaftlichkeit und Integration von Ladepunkten auf Tankstellengeländen.