Wasserstoff – Energieträger mit Zukunft

Wasserstoff wird in der Diskussion um die klimaneutrale Mobilität oft als Zukunftstechnologie bezeichnet – und das mit gutem Grund.

Besonders im Schwerlast-, Nutzfahrzeug- und industriellen Bereich kann Wasserstoff helfen, CO₂-Emissionen drastisch zu senken.

Dennoch:

Für mittelständische Tankstellenbetreiber bleibt Wasserstoff derzeit eine entfernte Option – die Infrastruktur fehlt, der Zugang ist ungleich verteilt, und wirtschaftliche Perspektiven sind oft unklar.

Damit Wasserstoff tatsächlich zum Teil eines marktwirtschaftlich organisierten Kraftstoffmixes wird, müssen freie Tankstellen aktiv in die Planung einbezogen werden.

Herstellung und Arten von Wasserstoff

Wasserstoff ist nicht gleich Wasserstoff – seine Umweltbilanz hängt stark von der Art der Herstellung ab:

  • Grüner Wasserstoff wird mittels Elektrolyse und erneuerbarem Strom hergestellt – er ist emissionsfrei und gilt als klimaneutrale Lösung.
  • Blauer Wasserstoff basiert auf Erdgas, das bei der Umwandlung entstehende CO₂ wird abgeschieden und gespeichert.
  • Türkiser Wasserstoff entsteht durch Methanpyrolyse – statt CO₂ fällt dabei fester Kohlenstoff an.
  • Grauer Wasserstoff ist die derzeit am häufigsten verwendete Form und wird aus Erdgas erzeugt, ohne CO₂-Abscheidung – seine Herstellung ist klimaschädlich.

Nur grüner Wasserstoff entspricht langfristig den Anforderungen an eine klimaneutrale Wirtschaft – allerdings ist sein Anteil am Markt bislang verschwindend gering.

Potenziale und Perspektiven

Wasserstoff eignet sich besonders gut für:

  • den Schwerlastverkehr, bei dem Batterien zu schwer oder zu wenig leistungsfähig sind,
  • den Fernverkehr, z. B. für Busse, Züge oder Schiffe,
  • saisonale oder industrielle Anwendungen, bei denen große Energiemengen benötigt werden.

Auch für Tankstellen bietet Wasserstoff theoretisch neue Geschäftsfelder – etwa als Lade-, Betankungs- oder Speichereinheit für Wasserstoffmobilität.
Technologisch sind viele Entwicklungen bereits marktreif.

Was jedoch fehlt, ist ein realistisches Geschäftsmodell für mittelständische Akteure.

Herausforderungen für den Mittelstand

Infrastruktur und Versorgung sind aktuell fast ausschließlich in der Hand großer Konzerne.

Laut H2 Mobility gibt es in Deutschland derzeit knapp 100 Wasserstofftankstellen – viele davon in urbanen Ballungsräumen und entlang von Autobahnen.

Kaum eine dieser Anlagen wird von freien, mittelständischen Betreibern geführt. Zudem fehlt vielerorts der Anschluss an Wasserstoffnetze.

Die Investitionskosten für eine H₂-Tankstelle liegen je nach Ausstattung im mittleren bis hohen einstelligen Millionenbereich – eine Summe, die für die meisten mittelständischen Betreiber wirtschaftlich nicht tragbar ist, zumal sich bislang keine flächendeckende Nachfrage entwickelt hat.

Position des bft

Der bft sieht im Wasserstoff eine wichtige Ergänzung im Energiemix der Zukunft – aber keine kurzfristige Lösung für den flächendeckenden Kraftstoffmarkt.

Wir fordern daher:

  • eine technologieoffene Förderung auch für Wasserstoff, die nicht nur Konzernstrukturen berücksichtigt,
  • faire Investitionsbedingungen für den Mittelstand, z. B. durch Förderprogramme, Planungsvereinfachungen oder Zugang zum H₂-Netz
  • und eine realistische Zeitplanung beim Aufbau von Infrastruktur, die freie Tankstellen aktiv mitdenkt – nicht erst im Nachgang.

Wasserstoff hat Zukunft – aber nur, wenn die bestehenden Akteure aus dem Mittelstand nicht abgehängt, sondern frühzeitig einbezogen werden.

Weiterführende Informationen

Aktuelle Entwicklungen rund um Wasserstoff in der Mobilität, Förderprogramme und Studien finden Sie auf der Website des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) sowie über unsere Informationsangebote im Verband.

Gerne vermitteln wir den Kontakt zu mittelständischen Akteuren, die sich bereits mit Wasserstoffprojekten befassen.