29.06.2026

Branchenstudie Tankstellenmarkt 2025

Aktuelle Marktdaten zeigen: Trotz Mobilitätswende fahren weiterhin rund 96 Prozent der Pkw mit konventionellen Antrieben – freie Tankstellen bleiben für Versorgung, Wettbewerb und Transformation unverzichtbar
Die deutsche Tankstellenbranche befindet sich im Wandel, doch die Realität auf der Straße unterscheidet sich deutlich von vielen früheren Prognosen wie die heute vorgestellte aktuelle Tankstellenstudie mit ihren umfangreichen Marktdaten zeigt. Noch immer sind rund 96 Prozent der Pkw mit konventionellen Antrieben unterwegs. Während Elektromobilität und alternative Antriebe wachsen, bleiben flüssige Energieträger für die Mobilität der kommenden Jahre von zentraler Bedeutung. Studienautorin Professor Hanna Schramm-Klein wies auf die zunehmende Bedeutung alternativer Kraftstoffe wie HVO100 angesichts der Bestandsflotte hin: Anfang November 2025 war an rund 555 Stationen HVO100 verfügbar und an über 2.000 Stationen inklusive HVO-Beimischungen. Der Preisabstand zu Diesel betrug im Jahresverlauf meist 8 bis 15 Cent pro Liter.


Weniger Tankstellen, mehr Druck auf den Mittelstand
Erstmals ist die Zahl der Straßentankstellen in Deutschland unter 14.000 Standorte gefallen. Große Mineralölgesellschaften ziehen sich zunehmend aus dem operativen Geschäft zurück (TotalEnergies-Tankstellenverkauf an das kanadische Unternehmen Couche-Tard, Verkauf Jet-Netz), während Investitionsrisiken und unternehmerische Verantwortung verstärkt bei den Betreibern vor Ort liegen. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen und der Wettbewerbsdruck.


Politische Unsicherheit wird zum größten Geschäftsrisiko der Branche
Geopolitische Krisen (Iran-Krieg, Ukraine-Krieg), wechselnde Förderprogramme (E-Mobilität), neue Regulierungen (12-Uhr-Regel, Tankrabatt) und offene Entscheidungen über die künftige Ausgestaltung der Klimapolitik erschweren langfristige Investitionen. Für Tankstellenunternehmen werden stabile und verlässliche politische Rahmenbedingungen zunehmend zum entscheidenden Standortfaktor.
„Die Mobilitätswende gelingt nicht gegen den Mittelstand, sondern nur mit ihm. Der Mittelstand ist ein wichtiges Wettbewerbskorrektiv. Deshalb brauchen wir faire und planbare Investitionsbedingungen“, so Daniel Kaddik, bft-Hauptgeschäftsführer.


Tankstelle der Zukunft: Nicht nur laden, sondern alles anbieten
Die klassische Tankstelle entwickelt sich Schritt für Schritt zum Multienergie- und Service-Hub. Kraftstoffe, alternative Energieträger, Ladeinfrastruktur, Paketdienste, Nahversorgung und digitale Services wachsen zunehmend zusammen. Welche Konzepte erfolgreich sind, entscheidet jedoch auch die Politik, siehe die vom bft deutlich kritisierte 12-Uhr-Regel: „Nach 12 Uhr brechen vielerorts die Kundenfrequenz und damit das Bistro- und Snackgeschäft deutlich ein. An den Zapfsäulen herrscht oft Leere. Dabei erwirtschaften Tankstellen durchschnittlich rund 65 Prozent ihres Umsatzes mit Shop-, Gastronomie- und Serviceleistungen wie der Autowäsche, während nur etwa 35 Prozent auf den Kraftstoffverkauf entfallen“, so bft-Vorstandsvorsitzender Carsten Müller.
Auch Professorin Schramm-Klein hob die Relevanz des Shopgeschäfts für die Tankstellen hervor: Dieses hat eine hohe Bedeutung für den Bruttoverdienst durch seine Convenience-, To-Go und regionalen Angebote. Automatenbetriebe und Smart-Store-Ansätze gewinnen bei Personalengpässen und Randzeiten an Bedeutung.

Sie können die Studie per Mail an presse@bft.de kostenfrei bestellen.