Presse

Neue Strategie des bft: Fit für die Zukunft

Der bft hat Anfang des Jahres mit der Ausarbeitung einer neuen Strategie begonnen und das Ergebnis auf der Mitgliederversammlung im September in Erfurt vorgestellt. Im Interview erklärt Vorstandsvorsitzender Duraid El Obeid, warum das notwendig war und wie die ersten Schritte der Umsetzung aussehen.

Herr El Obeid, was sind aktuell die größten Herausforderungen für die bft-Mitglieder?

Der Ukraine-Krieg und die dadurch massiv gestiegenen Energiekosten gehören sicherlich dazu. Das hat das Tankstellengeschäft weniger planbar gemacht, als wir es bisher gewohnt waren. Aber auch ohne den Krieg stünde die Branche vor großen Herausforderungen, die massive Auswirkungen auf unser bisheriges Geschäftsmodell haben: Dazu gehören vor allem die Bestrebungen der europäischen und deutschen Politik, den Verkehr beispielsweise im Rahmen eines Verbrennerverbots ab 2035 zu defossilisieren und dabei nur auf Elektromobilität zu setzen. Deshalb müssen wir mit guten Argumenten und mit klaren und deutlichen Forderungen als bisher an die Politik dafür sorgen, dass wir zum Thema Verkehrswende gehört werden, und uns für den Einsatz nachhaltiger biogener und synthetischer flüssiger Kraftstoffe stark machen.

Diese Veränderungen haben nicht nur Einfluss auf die bft-Mitglieder, sondern auch auf den Verband …

Ja, das ist richtig. Ich bin grundsätzlich überzeugt davon, dass man als Organisation, egal ob als Unternehmen oder als Verband, sein Umfeld permanent beobachten und sich selbst reflektieren sollte. Deshalb haben wir Anfang des Jahres einen Strategieprozess gestartet und als Grundlage dafür im Frühjahr eine Mitgliederbefragung durchgeführt. 113 Mitglieder, also mehr als ein Fünftel, haben uns über den elektronischen Fragebogen Feedback gegeben. Außerdem haben meine Kollegen aus dem Vorstand und ich mit Mitgliedern unterschiedlicher Größe das persönliche Gespräch gesucht. Dieser umfagreiche Austausch war sehr wertvoll für die weitere Arbeit an der Strategie. Auch innerhalb des Vorstands konnten wir uns gut reflektieren und angeregt diskutieren.

Welche Punkte lagen den Mitgliedern laut dieser Befragung besonders am Herzen?

Prinzipiell fiel das Feedback positiv aus. Aber vielen war wichtig, dass wir das Profil des bft in der politischen Arbeit noch mehr schärfen – dieses ist für mich jetzt die dringlichste Aufgabe. Wir müssen zu den wichtigen Themen wie synthetische Kraftstoffe eine klare Position beziehen und diese präzise und spitz gegenüber der Politik und Öffentlichkeit formulieren. Diese Aufgabe müssen wir selbst in die Hand nehmen. Zurückhaltung ist definitiv die falsche Strategie. Dafür müssen wir unser Netzwerk in Berlin und Brüssel weiter ausbauen und uns noch mehr und frühzeitig bei der Entstehung von Gesetzesentwürfen einbringen, um sie im Sinne unserer Mitglieder mitgestalten zu können. Der Verband soll künftig außerdem stärker bei rechtlichen Fragestellungen und der Energietransformation unterstützen. 

Grundlage einer Strategie ist eine Vision. Wie sieht diese beim bft aus?

Unsere Vision ist, dass wir Teil der Lösung auf dem Weg zur treibhausgasneutralen Mobilität und damit Teil der Verkehrswende sind. Das bedeutet: Wir positionieren uns als unabhängige und mittelständische Mitgestalter der Rahmenbedingungen für bestehende und erneuerbare Energien, zu denen unter anderem Strom, Wasserstoff sowie biogene und synthetische Kraftstoffe gehören. Wir wollen dabei aber auch überzogene und unrealistische Forderungen der Politik in Deutschland und Europa verhindern. So bleibt die Tankstelle ein moderner Energieanbieter mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell. Dieses möchten wir erhalten. 

Welche Auswirkungen wird das auf die Aufstellung des Verbands haben?

Aktuell sind wir personell zu schmal aufgestellt, um die neue Strategie mit der notwendigen Power umsetzen zu können. Wir werden also unsere Ressourcen ausbauen und haben dafür auch eine Anpassung der Beitragsstruktur vorgenommen. Für die Geschäftsstelle in der Hauptstadt werden wir 2023 einen zweiten Gesch.ftsführer einstellen, der uns als Gesicht des Verbandes im politischen Berlin vertritt und unser Netzwerk in die Politik, bei Stakeholdern und in die Medien ausbaut. Außerdem ist ein Referent für Kommunikation eingeplant. In der Geschäftsstelle in Bonn werden wir uns administrativ verstärken, um unseren Gesch.ftsführer Stephan Zieger zu entlasten.

Welche Rolle werden künftig Kooperationen spielen?

Kooperationen sind aus unserer Sicht von hoher Bedeutung, um gemeinsam für wichtige Themen einzutreten. Deshalb wollen wir die Zusammenarbeit mit UNITI Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen in den kommenden Tagen intensiv prüfen. Einige Doppelmitglieder hatten dieses schon vor einiger Zeit als Wunsch artikuliert. Ein erster Austausch hat bereits stattgefunden, den ich als sehr zielführend wahrgenommen habe. Nun geht es darum zu sehen, wo unsere gemeinsamen Interessen liegen. Das wird sicherlich beim Thema synthetische Kraftstoffe der Fall sein. Im November fand ein Treffen mit den Geschüftsführern und jeweils zwei Vertretern aus dem Vorstand der beiden Verbände statt.

Wie geht es mit der Umsetzung der Strategie weiter?

Wir haben mit den ersten Schritten der Umsetzung begonnen, indem wir die vakanten Stellen ausgeschrieben haben. Der Vorstand und die Geschüftsführung wollen dann in zwölf Monaten schauen, was wir erreicht haben und wo wir noch Handlungsbedarf sehen. Wir werden also eine Plan-Ist-Kontrolle durchführen und gegebenenfalls Handlungsbedarf identifizieren und formulieren.

(Das Interview erschien im Rahmen des bft-Jahresberichts 2022, den Sie unten stehend als Download finden.)

Bild (c) Sandra Kühnapfel

Pressekontakt
#
Daniel Kaddik
Geschäftsführer

„Gerne nehmen wir Sie in unseren Presseverteiler auf. Bitte senden Sie uns hierzu einfach eine Mail an: cerffr@osg.qr

Zum Anfang