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Ziegers Zeilen (KW 20)

Heute beschäftigt uns einmal die taz und nicht die FAZ: „E-Fuels und Kernfusion – Söders Märchenstunde“ titelt die taz einen Beitrag in ihrer Online-Ausgabe vom vergangenen Dienstag. Ulrike Herrmann, Wirtschaftsredakteurin und streitbare Talkshow-Teilnehmerin, beschäftigt sich mit diesem Thema.

Ist es jetzt ein Kompliment für die E-Fuels in der Kernfusionsliga zu spielen oder umgekehrt? Vor Jahren hätte ich gesagt: Genau, das ist es. Die Kernfusion und die E-Fuels. Feiner geht's nimmer, um im bayerischen Duktus zu bleiben. Beide die Idealformen einer klimaneutralen, also besseren Zukunft.

Wenn man den Beitrag liest, kommt keiner von beiden so richtig positiv vor. Die Kernfusion kommt zu spät, um die Welt zu retten. Aus mancherlei Gründen, das dürfen Sie aber gerne selber lesen. Um die Brücke zu den E-Fuels zu schlagen, beschäftigt sich die Autorin auch mit der Kernspaltung, also der vorhandenen Kernkraft. Schließlich kommt das Thema ja auch bei Söder vor. Kluge Argumente, ein klassisches Pro und Contra. Das Contra gewinnt. 

Allerdings: Eine aktuelle Diskussion lässt die Autorin dabei in den Hintergrund treten. Die Minikraftwerke, die Bill Gates ins Spiel gebracht hat. Ein Beitrag hierzu, war in der Online-Ausgabe des Focus zu lesen. Ebenfalls am vergangenen Dienstag. Der Focus: „Um den Klimawandel zu bekämpfen, hat Bill Gates den Bau von kleinen standardisierten Natriumreaktoren vorgeschlagen. Sein Unternehmen TerraPower kündigte Pläne an, den ersten Reaktor bis 2028 in Betrieb zu nehmen. Danach sollen Hunderte dieser Reaktoren folgen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Reaktoren, die Wasser als Kühlmittel verwenden, wird der von Gates vorgeschlagene Neutronenreaktor stattdessen Natrium verwenden.“ Frau Herrmann lehnt Minireaktoren ab. Als Thema von gestern. Mit den Erkenntnissen von gestern. Aber geschenkt. Die Kernkraft ist ja auch nur ein Brückenthema, um auf die E-Fuels zu kommen. Auch die sind wie die Kernfusion eine Chimäre. Zu teuer, zu ineffizient und nicht rechtzeitig da, um das Klima zu retten.

Beim Thema Kernfusion hat sich die Autorin noch ein wenig mit dem Thema auseinandergesetzt. Beim Thema Kernkraft noch weniger. Aber die Technik wird aus Deutschland nicht mehr bespielt. Da ist es konsequent, sich damit nicht mehr zu befassen.

Beim Thema E-Fuels hätte ich mir etwas mehr Sachkunde erwartet. Die zeigt die Autorin normalerweise ja auch. Bei den E-Fuels Fehlanzeige. Da verfolgt sie ganz die Linie der E-Fuels-Gegner, sich nur ja nicht mit den Konzepten auseinanderzusetzen. Ihre Auseinandersetzung erfolgt ganz unreflektiert in einem Satz. Klingt gönnerhaft. Und wird verstärkt durch den Hinweis, dass es sich um eine Marotte von CDU, CSU und FDP handelt. Ein klassisches Sachargument!

Warum passiert das? Weil es nicht ins Weltbild passt. Das ist schade. Ernster könnte man Frau Herrmann nehmen, wenn Sie bei den E-Fuels mehr Tempo verlangen würde. Mehr Aktionen für Anrechenbarkeit und Investitionssicherheit. Dann ginge etwas. Dann dürfte man ihr auch nachsehen, dass sie sich nicht mit der Klimaneutralität von Strom beschäftigt. Klimaneutraler Strom wird am heutigen Tage weniger zur Verfügung gestellt als fossiler Strom. Die aktuellen Daten finden Sie bei der Bundesnetzagentur. Frau Herrmann würde sie dort ebenfalls finden.

Aber zurück zum Weltbild. Ein Weltbild wird nicht durch Fakten geprägt. Das ist wie Religion. Und die Abweichung von der Religion bekämpft man nicht durch Sachargumente. Das kann man bei Glaubensfragen ja auch nicht. Und deshalb greift man zu Narrativen wie „Marotte“ oder anderen. Und man braucht die Andersgläubigen daher nicht zu überzeugen. Vielmehr behandelt man sie wie Abweichler vom richtigen Weg. Das ist einfacher, wird aber dadurch nicht richtig. 

Ihr

Stephan Zieger

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